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Klage steht im Raum: Streit um Freitreppe am Einheitsdenkmal

Zwei Bauprojekte, die in unmittelbarer Nähe zum Humboldt Forum entstehen, sorgen derzeit für Diskussionsstoff in Architekten- und Politikerkreisen.

Gemeint sind das Projekt “Einheitsdenkmal“, welches derzeit bereits im Bau ist, und die geplante Freitreppe vom Schloss zur Spree. Diese soll direkt neben dem Einheitsdenkmal entstehen.

Freitreppe soll direkt neben dem Einheitsdenkmal entstehen

Und genau das ist Stein des Anstoßes. Architekt Johannes Milla, der den Siegerentwurf für das Einheitsdenkmal lieferte, befürchtet durch die Treppe eine Herabwürdigung seines Entwurfs. Zumal er betont, dass die Entscheidung für den Bau der Treppe vom Berliner Senat erst 2019 fiel, ganze acht Jahre, nachdem er den Wettbewerb für die Umsetzung eines Einheitsdenkmals gewonnen hatte.

Das Projekt “Flussbad in der Spree“, zu dem die geplante Freiheitstreppe gehört, ist aufgrund der hohen Kosten und der zahlreichen Unwägbarkeiten in den letzten Jahren sowieso in die Kritik von vielen Seiten geraten.

“Flussbad”-Projekt steht mittlerweile massiv unter Druck

Architekt Milla sagt dazu: “Wir erwägen eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung“. Und weiter: “Es tut weh. Als wir den Wettbewerb für den Bau des Denkmals gewonnen haben, gab es noch keine Treppe“. Unterstützung erhält er dabei vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse.

Die Freitreppe soll den Spreekanal an der Museumsinsel und das Flussbad zugänglich machen. Mehr als sechs Millionen Euro stellen Bund und Land für den Bau zur Verfügung, bis 2023 soll dieser abgeschlossen sein. Das gesamte Flussbad-Projekt soll nach aktuellen Schätzungen rund 77 Millionen Euro kosten.

Architekt fürchtet um die Wirkung des Denkmals

Milla befürchtet, dass der Anblick des Vorplatzes am Humboldt Forum künftig von der Treppe dominiert werde und nicht vom Denkmal an die deutsche Freiheits- und Einheitsgeschichte, welches zukünftig Bürger*innen ehren soll, die 1989 gegen die SED-Diktatur protestierten.

Die Freitreppe soll natürlich auch barrierefrei zugänglich sein. Daher ist in einem Meter Abstand, direkt neben dem Einheitsdenkmal, ein Aufzugsturm geplant. Vor das Denkmal sollen darüber hinaus rund 60 Fahrradständer und acht Bäume platziert werden. Milla sieht seinen Entwurf, der in all seinen Visualisierungen durch die Freiheit um das Denkmal herum besticht, massiv gestört.

Einheitsdenkmal wird ungeachtet aller Diskussionen im Frühjahr 2022 fertig

Wolfgang Thierse selbst fordert, das Geld für die Baumaßnahmen der Treppe solange zu stoppen, bis eine Einigung erzielt werden kann. Seiner Ansicht nach sollten die Bauten, die das im Bau befindliche Denkmal beeinträchtigen, nicht realisiert werden.

Er sagt dazu: “Wir fordern ein Moratorium und damit eine Offenlegung des Planungsstandes und eine Diskussion über Alternativen mit allen Experten. (…) Ich akzeptiere nicht, dass eines der kostbarsten Areale der Stadt durch unumkehrbare Bautätigkeiten auf Dauer beschädigt wird.

Thierse sieht in dieser Diskussion jetzt den Bürgermeister der Stadt, Michael Müller, am Zug. Immerhin: Auswirkungen auf die Fertigstellung des Einheitsdenkmals haben die schwelenden Diskussionen nicht. Milla rechnet im Frühjahr 2022 mit der Eröffnung des „Bürger in Bewegung“ genannten Denkmals.

Am 9. Juli eröffnet der neue U-Bahnhof “Museumsinsel”, früher als erwartet.
Das Humboldt Forum hat seine Innenhöfe für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Weitere Projekte in Mitte findet Ihr hier.

© Visualisierungen Flussbad: creativecommons / Flußbad Berlin e.v

© Visualisierungen Einheitsdenkmal: Milla & Partner

 

Visualisierung des Einheitsdenkmals “Bürger in Bewegung”

Deutlich erkennbar: Das Denkmal wurde ohne benachbarte Treppe konzipiert

Der Wunsch des Berliner Senats: Eine öffentliche Freitreppe, als Teil des Projekts “Flussbad in der Spree”

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1 Kommentar

  1. Philipp, Dietmar September 1, 2021

    Einheitsdenkmal und Freitreppe
    Guten Tag,
    als interessierter Bürger hatte ich mich auch gemeldet wie das Umfeld des Berliner Schlosses gestaltet werden soll.
    Ich finde es passend, neben dem Denkmal eine breitangelegte Freitreppe zu errichten. Mit dem Schiff kann an der Freitreppe angelegt werden, die Touristen steigen aus dem Schiff und gelangen entspannt zu Fuß über die Freitreppe am Einheitsdenkmal vorbei und stehen nun vor dem herrlichen Eosanderportal!

    Dietmar Philipp/ 01.09.2021

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