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Umbau der Alten Försterei startet 2024 – Union spielt im Olympiastadion

Seit vielen Jahren arbeitet der 1. FC Union am geplanten Ausbau des Stadions An der Alten Försterei. Nun soll das ambitionierte Projekt ab 2024 starten, große Teile des bestehenden Stadions werden dafür abgerissen. In der Spielzeit 2024/25 wird der Bundesligist aus Köpenick daher für ein Jahr im Olympiastadion im Westend spielen. Auf die landeseigene Olympiastadion Berlin GmbH kommen logistische Herausforderungen zu.

So soll der Neubau der Alten Försterei in Berlin-Köpenick nach Vorstellungen des 1. FC Union nach Abschluss der Bauarbeiten aussehen. / © Visualisierung: 1. FC Union Berlin

© Foto Titelbild: depositphotos.com
© Visualisierung: 1. FC Union Berlin
Text: Björn Leffler

 

Es ist eines der wichtigsten Themen, an dem die Verantwortlichen des 1. FC Union seit mehreren Jahren arbeiten: der Ausbau des Stadions an der Alten Försterei im Südosten Berlins. Die traditionsreiche Heimspielstätte der Unioner in Berlin-Köpenick soll um- und ausgebaut werden.

Drei der vier Tribünen sollen nach dem Wunsch des Clubs baulich neu errichtet werden, um die Kapazität auf knapp 38.000 Plätze zu steigern. Das ambitionierte Vorhaben war in den letzten Jahren jedoch stark ins Stocken geraten.

Ausbau der Alten Försterei: Problematische Infrastruktur rund um das Stadion

Das Problem war bislang vor allem die Infrastruktur rund um das Stadion, die bereits heute bei Heimspielen des 1. FC Union stark überlastet ist. Union selbst hatte schon im Oktober 2018 einen ersten Verkehrskonzept-Entwurf vorgelegt, musste diesen aber bereits mehrfach überarbeiten. Er sieht den Bau einer neuen Straßenbahn-Wendeschleife vor, um den Besucherandrang abdämpfen zu können.

Auf der gestrigen Mitgliederversammlung des 1. FC Union verkündete der Verein, dass man in den Verhandlungen mit dem Bezirk Treptow-Köpenick ein entscheidendes Stück vorangekommen ist. Dies sagte Vereinspräsident Dirk Zingler im Rahmen der Veranstaltung.

Unions Stadion-Ausbau: Neue Lösungen für Verkehrssituation sollen den Weg ebnen

So habe man beispielsweise einen Platz für die notwendige Wendeschleife der Straßenbahn, einen Busparkplatz und eine Lösung für die Verkehrssituation an den S-Bahnhöfen gefunden. „Das muss jetzt planerisch umgesetzt werden und die Menschen können dann dazu Stellung nehmen,“ so Zingler zu den Mitgliederinnen und Mitgliedern.

Das Planfeststellungsverfahren, von dem auch das Baurecht für das Stadion abhängt, kann somit endlich weitergehen. Sollte es keine Einsprüche gegen die erarbeiteten Pläne geben, soll der Start des Umbaus im Sommer 2024 beginnen.

Alte Försterei: Drei der vier Tribünen sollen komplett abgerissen werden

Und dieser Umbau wird deutlich radikaler erfolgen, als es bislang kommuniziert worden war: Abgesehen von der neu gebauten Haupttribüne werden die anderen drei Seiten der Alten Försterei dabei komplett abgerissen. Das ist insofern pikant, da die Fanszene des 1. FC Union besonders stolz darauf ist, diesen Teil des Stadions in Eigenarbeit neu errichtet zu haben. Dieses für die Identität des Köpenicker Vereins so wichtige Bauwerk soll in den kommenden Jahren also abgetragen und neu errichtet werden.

Eine weitere, aufsehenerregende Begleiterscheinung dieser Umbaupläne ist der Ausweichstandort, den der 1. FC Union für mindestens eine Spielzeit beziehen muss. Dazu sagte Dirk Zingler: „Wenn wir die drei Seiten abreißen und neu aufbauen, werden wir in dieser Zeit im Olympiastadion Fußball spielen.“ Die dafür notwendige Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball Liga hat Union bereits erhalten.

Union wird in der Spielzeit 2024/25 im Olympiastadion Berlin spielen

Die genauen Kosten für das Projekt sollen im März 2023 noch einmal im Detail erläutert werden. Wie der Verein außerdem bekanntgab, hat der 1. FC Union das Grundstück, auf dem die Alte Försterei steht, komplett vom Senat gekauft. Dafür nutzte der Bundesligist eine Klausel, die im Erbbaurechtsvertrag vereinbart war.

Bautätigkeiten wird es auf dem Gelände rund um die Alte Försterei aber bereits vor dem Stadion-Umbau im Sommer 2024 geben: Bereits ab Januar 2023 soll das Forsthaus saniert werden. Nach der laufenden Saison 2022/23 sollen dann in einer Bauzeit von etwa zwölf bis vierzehn Monaten ein Profi-Trainingszentrum, ein Parkhaus und ein neues Klubhaus entstehen.

Mehreinnahmen und  Herausforderungen für die „Olympiastadion Berlin GmbH“

Freude dürfte die Ankündigung bei der landeseigenen Olympiastadion Berlin GmbH ausgelöst haben. Denn in der übernächsten Spielzeit werden im Olympiastadion im Berliner Westend gleich zwei Mannschaften ihre Heimspiele in der denkmalgeschützten Arena austragen. Das bedeutet auch, dass das Unternehmen zusätzliche Mieteinnahmen generieren kann.

Logistisch gesehen wird der gemeinsame Spielbetrieb in einer Arena allerdings auch eine Herausforderung. Zwei Profivereine, die in mehreren Wettbewerben – Bundesliga, DFB-Pokal und womöglich auch im Europapokal – antreten, bedeutet eine erhebliche Mehrzahl von Spielen.

Auf das Olympiastadion kommen eine Vielzahl unterschiedlicher Events zu

Hinzu kommen Business-Events, das DFB-Pokalfinale, Laufveranstaltungen, möglicherweise ein Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft und weitere Events wie das Leichtathletik-Treffen Istaf, das Lollapalooza-Festival und Open-Air-Konzerte im Sommer.

Die Belastung für den Rasen wird enorm sein, auch die zu erwartenden, ständig wechselnden Umbaumaßnahmen werden ein erhöhtes Personalaufkommen und ein optimales Projekt- und Zeitmanagement erforderlich machen. Aus Sicht der Verantwortlichen ist die erhöhte Auslastung dennoch ein Luxusproblem, denn die Landeskasse wird sich füllen.

Im Olympiapark: Auch Hertha BSC treibt das Thema Stadion-Neubau weiter voran

Aber nicht nur der 1. FC Union treibt seine Stadionpläne voran. Auch Hertha BSC hat das Ziel, zukünftig in einem eigenen, reinen Fußballstadion zu spielen, weiter fest im Visier. Das Projekt war Thema auf der am Sonntag durchgeführten Mitgliederversammlung des Charlottenburger Bundesligisten.

Um das Vorhaben weiter zielführend zu entwickeln, soll ein Expertenausschuss eingerichtet werden, der bis zum nächsten Sommer Klarheit darüber schaffen soll, ob und in welcher Form ein Bau im Olympiapark realisierbar sei.

Hertha-Präsident Kay Bernstein  zeigte sich optimistisch: „Wir sind erstmalig in einer Lage, dass es einen politischen Willen der Senatorin Spranger für ein neues Stadion gibt.“ Diesen Rückenwind möchte der Verein ausnutzen, um ein eigenes Stadion, im Idealfall im Berliner  Olympiapark, zu errichten.

 

Weitere Bilder zum Thema findet Ihr hier: 

Soll ausgebaut werden: Das Stadion an der Alten Försterei in Köpenick. Die Kapazität soll von aktuell 22.000 auf knapp 38.000 erweitert werden.

Gefragte Spielstätte: Das Olympiastadion Berlin wird in der Saison 2024/25 zwei Mannschaften beherbergen. Neben Hertha BSC wird auch der Union hier seine Heimspiele austragen. Alle potenziellen Wettbewerbe zusammengenommen – Bundesliga, DFB-Pokal und Europapokal – könnte das zu einer logistischen Herausforderung für die Olympiastadion Berlin GmbH werden. / © Foto: depositphotos.com

Stadionpläne: Auch Hertha BSC möchte auf dem Gelände des Olympiaparks in Charlottenburg gern ein eigenes Stadion errichten und treibt diese Pläne weiter voran. / © Visualisierungen: Lindner Planungbüro mit Lukas Mering (Konzeptstudie, keine offizielle Visualisierung des Vereins Hertha BSC)

Weitere Projekte in Charlottenburg findet Ihr hier
Weitere Projekte in Köpenick findet Ihr hier

Quellen: 1. FC Union Berlin, Hertha BSC, RBB, Lindner Planungsbüro, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN, Stadionwelt, Bezirksamt Treptow-Köpenick

 

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