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Wegweisender Wohnungsbau: Das „Schumacher Quartier“ in Tegel

Gudrun Sack, Geschäftsführerin der Tegel Projekt GmbH, sprach in einem Vortrag darüber, was beim Bau des geplanten „Schumacher Quartiers“ technisch, ökologisch und städtebaulich umgesetzt werden soll. Dabei soll Europas größtes Holzquartier entstehen, welches auf effiziente Niedrigenergie-Versorgung und natürliche Sickersysteme setzt.

Vortrag zum zukünftigen „Schumacher Quartier“ auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel: Die Geschäftsführerin der Tegel Projekt GmbH, Gudrun Sack.

© Visualisierung oben: Tegel Projekt GmbH
© Foto Gudrun Sack: Jonas Maron
Text: Wolfgang Leffler

 

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde Gudrun Sack in die Geschäftsführung der Tegel Projekt GmbH berufen, damals noch als Doppelspitze mit dem bisherigen Geschäftsführer Philipp Bouteiller, der das landeseigene Unternehmen im März 2022 auf eigenen Wunsch verlassen hat.

Seitdem steht Gudrun Sack allein an der Spitze der Planungsgesellschaft und verantwortet damit eines der spannendsten und innovativsten Stadtentwicklungsprojekte Europas – die Nachnutzung des ehemaligen Flughafens Tegel.

Gudrun Sack über ökologische und bauliche Ziele des „Schumacher Quartiers“

Mehr als 20 Jahre war Gudrun Sack als Partnerin bei Nägeliarchitekten mit Büros in Berlin und Karlsruhe tätig. Ihre Schwerpunkte liegen im nachhaltigen Planen und Bauen sowie in der Verankerung von Qualitäten und neuen Standards im Wohnungsbau – und in der Umsetzung von zukunftsweisenden und gleichzeitig praktikablen städtebaulichen Lösungen, was sie wohl für ihre noch immer neue Rolle bei der Tegel Projekt GmbH qualifiziert hat.

Im Rahmen eines Vortrags beim AIV (Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg) sprach sie im Detail über das, was im zukünftig geplanten Wohnquartier, dem „Schumacher Quartier“, technisch, ökologisch und städtebaulich umgesetzt werden soll.

5.000 Wohnungen für 10.000 Menschen

Das „Schumacher Quartier“ ist eines von drei Baufeldern, die auf dem einstigen Flughafengelände entwickelt werden sollen. Neben dem geplanten Wohnquartier wird mit der „Urban Tech Republic“ ein Forschungs- und Industriepark entwickelt. Zudem soll ein großer Landschaftspark entstehen.

Am westlichen Rand des Kurt-Schumacher-Platzes soll nach Plänen des Berliner Senats ein völlig neues Wohnviertel entstehen. Auf dem östlichen Teil des ehemaligen Rollfelds des Flughafens (und darüber hinaus) plant die Tegel Projekt GmbH über 5.000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen. Auch die dazugehörigen Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Sportanlagen und Einkaufsmöglichkeiten sollen geschaffen werden.

Wegweisender Ansatz für nachhaltige energieVersorgung

Das zukünftige Quartier soll den Charakter einer „gemischten Stadt“ erhalten und durch eine sinnvolle Kombination von Wohnraum, sozialen Einrichtungen, Sport- und Freizeitanlagen und der Nähe zum Forschungs- und Industriecampus überzeugen.

Neu im Vergleich zu anderen Bauprojekten dieser Dimension war die Grundstücksvergabe im Erbbaurecht, also die rechtliche Trennung von Bauwerk und Grundstück (siehe § 94 Abs.1, Satz 1 BGB). Tatsächlich wegweisend für zukünftige Bauvorhaben in der Europäischen Union ist das geplante Niedrigenergie-Versorgungsnetz, das in dieser Größe einmalig sein wird und welches die Basis für ein klimaneutrales Stadtquartier bilden soll.

„Schwammstadt“: Natürliche Aufnahme von Niederschlägen

Auch die sogenannte „Schwammstadt“ wird zukunftsweisend sein, in der keine Regenwasserentsorgungsleitungen mehr benötigt werden. Vielmehr soll das die Bauwerke umgebende Gelände die Niederschlagsmengen aufnehmen – mittels Mulden, Baumrigolen, Grünflächen, begrünten Dächern und Fassaden. Ein Ansatz, der sich aber auch bei großen Niederschlagsmengen bewähren muss.

Gudrun Sack sprach während des Vortrags wiederholt von der  „Zukunft des Bauens“. Damit ist neben den bereits genannten, ökologisch orientierten Bautechniken auch der gezielte Einsatz von Holz als dominierender Baustoff gemeint: Kiefer aus Berliner Forsten.

In Tegel soll Europas größtes Holzquartier entstehen

Die Verwendung der Kiefern soll in enger Abstimmung mit den Berliner Forstbetrieben erfolgen. Die abgeholzten Kiefern sollen dann in der darauffolgenden Aufforstung durch Laubbäume ersetzt werden, da Mischwälder ökologische und ökonomische Vorteile bieten.

In Mischwäldern besteht ein deutlich geringeres Risiko gegenüber Schäden durch Insekten, Pilze oder Windwurf. Auch wirtschaftlich ergeben sich Vorteile: Mit einem Bestand aus beispielsweise 40 Prozent Buche und 60 Prozent Kiefer können größere Erträge erzielt werden als mit einem reinen Kiefernbestand. So soll in Tegel also Europas größtes Holzquartier entstehen.

„Schumacher Quartier“: Berlins Beitrag zum „European Green Deal“

Die Errichtung des nachhaltig orientierten „Schumacher Quartiers“ ist nicht weniger als Berlins Beitrag zum European Green Deal, ein von Ursula von der Leyen verabschiedetes Konzept mit dem Ziel, bis 2050 in der Europäischen Union die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und somit als erster Kontinent klimaneutral zu werden.

Insgesamt soll eine Fläche von rund 48 Hektar bebaut werden. 29 davon liegen auf dem Gebiet des heutigen Rollfeldes. Auf dem Areal sollen vorwiegend Mietwohnungen entstehen. Hierfür werden, nach aktuellem Planungsstand, die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften DEGEWO, GESOBAU und GEWOBAG mit in das Projekt involviert. Außerdem können Baugruppen und Genossenschaften hier Wohnhäuser bauen.

Gudrun Sack bezeichnete das Projekt „Schumacher Quartier“ als „ein Modellprojekt für das Bauen der Zukunft“ und schloss ihren Vortrag mit den Worten „Wir brauchen ein neues, europäisches Bauhaus„. Der uneingeschränkte Zuspruch der geneigten Zuhörer war ihr gewiss.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

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2 Kommentare

  1. Jens Harder Mai 26, 2022

    Es ist echt nicht zu fassen: Die Fläche des ehemaligen Flughafens beträgt 495 ha, entstehen sollen dort lediglich 9000 Wohnungen (5000 Schumacher-Quartier + 4000 Cité Pasteur), dafür aber auch 245 ha „Grün- und Landschaftsfläche“, wofür versiegelte Flächen extra entsiegelt werden (wohlgemerkt am Stadtrand, wo sich eh große grüne Areale wie Jungfernheide und Tegeler See anschließen). Dabei hat das Schumacher-Quartier sogar einen U-Bahnanschluß!
    In Blankenburg (Blankenburger Süden), Buch (Moorlinse), Rosenthal (Alte Schäferei) und anderen Standorten hingegen werden – verkehrlich extrem schlecht angebunden – zehntausende neue Wohnungen auf bestehende Grünflächen gepreßt, und zwar zwischen stets wachsende Siedlungskerne, so dass kaum noch Freiräume bleiben und eine Menge Fläche neu versiegelt wird. Finde den Fehler!

  2. Karlheinz+Guthe Mai 26, 2022

    In Wahrheit ist dieses Projekt lediglich eine Zumüllung des städtischen Raumes von Berlin, mittels suggestiv wirkenden „Greenwashing“-Fassaden-„Lamettas“, um der vermeintlichen „Political Correctness“ in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit offiziell pflichtgemäß Rechnung zu tragen, welches aber jedoch, bei genauerer Betrachtung seiner, vor allem im Vorfeld der Realisierung stattfindenden üblichen öffentlichen „Rendering“-Präsentationen, betriebenen fassadengestalterischen Effekthascherei, einzig und allein darüber hinwegtäuschen soll, dass es sich bei dieser Bebauung, in ihrem wahren Kern, lediglich um unüberbietbar superhässliche quaderförmige Verschandelungen des städtischen Raumes, durch Flachdachklotzbunker, als zu Recht billig wirkender Investoren-Amortisationsschrott, mit dem „diskreten Charme“ üblicher und damit hinlänglich bekannter Plattenbauten mit Betonhöllencharakter handelt, bei denen sich geradezu unmittelbar der Eindruck aufdrängt, dass diesie als visuelle Umweltzerstörungen, mit gehirnwäscheartigem Prägungscharakter im geschmacksbildenden Stadtraum, die alltägliche Öffentlichkeit anti-ästhetisch, wie auch anti-sinnlich und damit letztendlich in letzter Konsequenz, auch geistig abstumpfen sollen, um damit u.a. dazu beizutragen, die Bevölkerung in systemstabilisierend sedierender Verdummung, als Lohnsklaven im prekären Beschäftigungsverhältnissen, meist mit mehreren „Jobs“ und Konsumidioten, in größtmöglicher Anpassungszufriedenheit bei Laune zu halten. Übertragen auf das „Geschäftsmodell“-Kernprinzip zur Vermarktung dieser potthässlichen Flachdachklotzkisten, lässt sich mithin nur das zynische Leitmotiv-Fazit feststellen.: Superscheußliche Wegwerfarchitektur gebauten Schwachsinns von blödsinnigen Planern für blödsinnige Nutzer!

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