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Architekturstreit: CDU strebt Bau von mehr Hochhäusern in Berlin an

Die Berliner CDU hält Berlins Hochhausleitbild für überholt und hat nun einen eigenen Hochhausentwicklungsplan unter dem Titel „radikal.vertikal“ veröffentlicht. Ziel der Partei ist es, den Bau von Hochhäusern in Berlin zu fördern und klare Entwicklungsstandorte zu etablieren.

Hochhausprojekt im Park am Gleisdreieck: Nach Plänen von Ortner & Ortner soll hier das Hochhausprojekt „Urbane Mitte“ realisiert werden. / © Visualisierungen: finest images / O&O Baukunst

© Foto Titelbild: depositphotos.com
Text: Stephanie Engler

 

Berlins CDU fordert mehr Hochhäuser und beschließt einen Hochhausentwicklungsplan für die Hauptstadt, denn das rot-grün-rote Hochhausleitbild des Senats habe ihrer Ansicht nach ausgedient und müsse nun ersetzt werden.

 Auf der Klausurtagung der Partei in Düsseldorf haben die CDU-Mitglieder der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus am Freitag einen Hochhausentwicklungsplan für Berlin beschlossen: „radikal.vertikal“ lautet der Name.

Berliner Hochhausplan der CDU: „radikal.vertikal“

Die CDU steht damit allerdings erst einmal allein da – während in der rot-grün-roten Senatskoalition derzeit noch über die angemessene Höhe der Hochhausprojekte für das geplante Signa-Projekt am Kurfürstendamm diskutiert wird. 

 Schon seit mehreren Jahrzehnten sind die Standorte und der Bau von neuen Hochhäusern in Berlin ein politischer Streitpunkt. Die Berliner Morgenpost kommentierte kürzlich, dass sich die Stadtentwicklungspolitik in der Hauptstadt kontinuierlich darum drücken würde, „ein klares Leitbild für die städtebauliche Topografie Berlins zu erarbeiten.

Die Linke blockiert bislang einen Hochhausentwicklungsplan

Ein Hochhausentwicklungsplan für Berlin sei also längst überfällig, wobei der letzte am Widerstand der Linken gescheitert sein soll. Dies soll mit ein Grund sein, weswegen in Berlin Hochhäuser unkoordiniert und ohne schlüssiges städtebauliches Konzept entstehen würden. 

 Eine Haltung, die es offenbar auch in der Berliner CDU gibt. Der CDU-Fraktions- und Landeschef Kai Wegner begründet den Beschluss des CDU-Hochhausentwicklungsplans für Berlin folgendermaßen: „Nicht nur Träume sollten in Berlin bis in den Himmel wachsen, sondern auch Häuser.“ Dabei dürfe jedoch nicht willkürlich im gesamten Stadtraum gebaut werden.

Anstehende Wahlwiederholung eröffnet Chancen für Berliner CDU

Aufgrund der möglichen, anstehenden Wahlwiederholung im Februar 2023 sieht die CDU nun eine Chance, das bisherige Hochhausleitbild für Berlin abzulösen. Dieses wurde 2020 von der damaligen Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) und ihrer Senatsbaudirektorin Regula Lüscher beschlossen

Eine Vorschrift des Leitbildes ist die gemischte Nutzung von neuen Hochhäusern (höher als 60 Meter): Es dürfen nur 70 Prozent der Fläche für Büros genutzt werden. Die restlichen 30 Prozent müssen anderweitig belegt werden. Zudem muss laut des Berliner Modells etwa ein Drittel der Wohnfläche sozialer Wohnungsbau sein. 

IHK kritisiert bestehenden Flächennutzungsplan für Hochhäuser

Ebendiese Aufteilung der Flächennutzung von Hochhäusern sowie andere Vorgaben wie etwa die zum Schattenwurf eines Hochhauses werden stark kritisiert – besonders von der IHK. Angesichts des stetigen Berliner Bevölkerungswachstums wäre laut der CDU das bisherige Leitbild überholt: „Berliner Unternehmen schreiben zunehmend wirtschaftliche Erfolgsgeschichten und brauchen Raum zur Expansion.

Des Weiteren führt sie im Beschlusstext klimapolitische Beweggründe an: „Gleichzeitig wollen und müssen wir unter dem Gesichtspunkt von Klimawandel und Resilienz dem Flächenfraß Einhalt gebieten und der Versiegelung von Boden enge Grenzen setzen.

CDU will bestehende Hochhausstandorte weiter entwickeln

Die Union hält bisher fünf Standorte für besonders geeignet, um zukünftige Hochhausprojekte zu entwickeln: „Wir begrüßen, dass nach Jahrzehnten des Stillstands erste Hochhausprojekte am Alexanderplatz realisiert werden und wollen prüfen, wie ihre Umsetzung gefördert und behördenseitig beschleunigt werden kann.

Zudem sollen Voraussetzungen geschaffen werden, um die beidseitige Bebauung mit Hochhäusern auf der Alexanderstraße möglich zu machen. Rund um den Ernst-Reuter-Platz, entlang der Hardenbergstraße, im Bereich des Universitätscampus, am Europa-Center und am Karstadt-Standort am Kurfürstendamm sollen ebenfalls Hochhäuser entstehen.

Städtebauliche Erweiterungen durch Hochhäuser sind laut CDU zudem am Potsdamer Platz in Richtung Gleisdreieck, im Bereich der Europacity sowie zwischen Ostbahnhof und dem S-Bahnhof Warschauer Straße sinnvoll.

CDU: Weitere Hochhausstandorte am Berliner S-Bahn-Ring etablieren

Der Berliner Architekt Tobias Nöfer hatte bereits vor fünf Jahren vorgeschlagen, einen Hochhausring entlang des S-Bahn-Rings zu errichten. Die CDU greift diesen Gedanken nun wieder auf: „Oft sind die umgebenden Flächen an diesen Orten untergenutzt und bieten Platz für große Baumasse, insbesondere für gewerbliche Nutzung in guter Lage.

Gemeint sind damit vor allem Hochhausstandorte, an denen der S-Bahn-Ring die großen Ausfallstraßen kreuzt. So würde der Hochhausring die ‚Stadttore‘ Berlins kennzeichnen und die städtebauliche Topografie der Stadt um sichtbare Landmarken bereichern.

CDU fordert Überprüfung des bisherigen Hochhausleitbildes

Die bisherige Aufteilung des Leitbildes müsse auf seine Aktualität überprüft werde. CDU-Chef Kai Wegner gibt zu bedenken, dass die Mieten derzeit explodieren und der Wohnraum in Berlin nicht ausreiche.

So begründet die Union: „Hochhäuser werden schon aufgrund ihrer Erstellungskosten kaum den alleinigen Beitrag zur Schaffung sozialen Wohnraums leisten – dafür aber umso mehr den expandierenden Unternehmen der Start-up-Hauptstadt neuen Raum geben und Flächenkonkurrenzen entspannen.

 

Weitere Bilder zum Thema findet Ihr hier: 

Hochhausprojekt in Neukölln: Die Estrel Gruppe will ein 176 Meter hohes Gebäude errichten / © Visualisierung: Estrel Hotel-Betriebs-GmbH

140-Meter-Turm in Friedrichshain: An der Warschauer Brücke entsteht das Projekt „EDGE East Side“ / © Foto: Daniel Hasert

Quellen: Berliner Morgenpost, CDU Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Wikipedia, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN

 

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