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Berlin-Mitte: Neue Uferpromenade für den historischen Humboldthafen

Am Humboldthafen in Berlin-Mitte wurde eine neue Uferpromenade eröffnet. Die weitere Entwicklung des historischen Hafenbeckens unweit des Berliner Hauptbahnhofs ist derzeit jedoch unklar. Der Berliner Senat arbeitet notgedrungen an einem neuen Bebauungsplan.

Uferpromenade am Humboldthafen in Berlin-Mitte: Zwei Neubauten wurden bereits realisiert, andere Uferbereiche sind noch unbebaut.

Text und Fotos: Björn Leffler

 

Auf der nördlichen Seite des Berliner Hauptbahnhofs wird seit vielen Jahren intensiv gebaut, und sukzessive werden einzelne Bauvorhaben fertiggestellt, wie etwa das Projekt EDGE Grand Central oder der noch entstehende „KPMG-Tower“. Andere Bauprojekte wie die Fertigstellung der geplanten „City-S-Bahn“ reißen derzeit noch tiefe Löcher in den städtebaulichen Bereich am Hauptbahnhof.

Rund um den riesigen Bahnhof wird an so vielen Ecken gleichzeitig gewerkelt, dass es schwierig ist, den Überblick zu behalten. Auch die infrastrukturelle Anbindung wird ausgebaut: Der Weiterbau der Tram bis zur Turmstraße läuft auf Hochtouren. Von der Invalidenstraße kommend führt die Tram bereits heute vorbei am Humboldthafen, der ebenfalls in den vergangenen Jahren um- und neugestaltet wurde.

Humboldthafen: Eröffnung der neuen Uferpromenade

Hier wurde kürzlich ein weiterer Bauabschnitt fertiggestellt, denn die Uferpromenade am Hafenbecken wurde neu eröffnet ­– mit Blick auf den Bahnhof, die Charité und das Regierungsviertel. Der Umbau erfolgte in mehreren Abschnitten seit 2014. Sechs Millionen Euro kostete die Promenade nach Angaben des Berliner Senats.

Entstanden sind ein barrierefreier Zugang zur Promenade und steinerne Sitzmöglichkeiten. Noch sieht das ganze allerdings etwas spartanisch aus, da bis auf zwei bereits seit mehreren Jahren fertiggestellte Wohnhäuser rund um das Hafenbecken keine weitere Bebauung entstanden ist.

Zwei Wohnhäuser stehen (noch) allein am Hafenbecken

Der bereits bestehende Wohn- und Geschäftskomplex besteht aus zwei je siebengeschossigen Neubauten mit Innenhof und Tiefgaragen. Die Bebauung an den Ufern des Humboldthafens wurde als offene Arkade, deren Stützen aus Naturstein besteht, ausgeführt. Im Erdgeschoss stehen Gastronomieflächen und Einkaufsmöglichkeiten zur Verfügung, darüber sind insgesamt 188 Wohnungen entstanden.

Noch stehen die beiden Gebäude allein am historischen Hafenbecken. Ob dies auch zukünftig so bleiben soll, ist derzeit noch unklar. Denn eigentlich sah der ursprüngliche Bebauungsplan für den Humboldthafen eine vollständige Bebauung der Uferpromenade vor.

Jahrelanger Streit um die weitere Bebauung des Humboldthafens

Rund um das Hafenbecken gibt es noch drei weitere Grundstücke, die sich in Landesbesitz befinden. Eines dieser Grundstücke ist so groß, dass der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit dort einst seine Kunsthalle bauen lassen wollte, was jedoch nicht umsetzbar war.

Dagegen sind die anderen beiden Grundstücke sehr schmal und deshalb nur schwer zu bebauen. Mittes Bezirksbaustadtrat Ephraim Gothe setzt sich zudem bereits seit Jahren dafür ein, auf eine weitere Uferbebauung zu verzichten, um den Weg und die Sichtachsen zum Wasser freizuhalten.

Gerichtsurteil: Ein neuer Bebauungsplan muss aufgestellt werden

Bevor nun der neue Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel und die neue Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt die Etwicklung des Areals in Angriff nehmen, muss allerdings ein gänzlich neuer Bebauungsplan für das Gelände aufgestellt werden.

Der ursprüngliche Bebauungsplan für die Randbebauung des Humboldthafens stammt aus dem Jahr 2016 und sah vor, ein gemischtes Stadtquartier aus Wohnen, Gewerbe, Bürogebäuden, Kultur, öffentlichen Straßen und Grünflächen entstehen zu lassen. Diesen Bebauungsplan aber hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg bereits im Juni in Gänze für unwirksam erklärt.

Grund für das Gerichtsurteil war eine Klage des österreichischen Immobilienunternehmens CA Immo, dem rund um den Hauptbahnhof und in der „Europacity“ mehrere Gründstücke gehören. Das Unternehmen hatte befürchtet, dass der Bau eines von ihr geplanten 103 Meter großen Hochhauses auf dem Europaplatz in Gefahr geraten könnte, da der festgesetzte Bebauungsplan für die Bebauung um den Humboldthafen die Abstandsflächen nicht einhalte. Dieser Klage stimmte das Gericht überraschend zu.

Entwicklung des Humboldthafens: Berliner Senat ist gefragt

Nun ist der Senat gefragt. Immerhin: Die neue Uferpromenade konnte fertiggestellt werden, auch ein neues Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof soll entstehen. Die weitere, bauliche Entwicklung rund um das Hafenbecken steht bislang jedoch noch in den Sternen.

Der Humboldthafen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen des Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné errichtet und nach Naturforscher Alexander von Humboldt benannt. Das Becken umfasst eine Wasserfläche von 33.500 Quadratmetern und steht unter Denkmalschutz, vor allem die Uferwände und historischen Kranpodeste.

Der Humboldthafen ist somit das älteste Hafenbecken im Zentrum Berlins. Die Entwicklung der Uferpromenaden in einer so exponierten Lage bietet eigentlich manigfaltige Möglichkeiten, scheiterte in den vergangenen Jahren aber immer wieder an den unterschiedlichen Interessen und Zielen der Projektbeteiligten. Ein Umstand, der sich hoffentlich schnell ändert.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Noch unbebaut: Dieses Baufeld am nördlichen Ufer des Humboldthafens ist Eigentum der Stadt Berlin. Ein Bebauungsplan für das gesamte Becken muss jedoch neu aufgestellt werden.

Barrierefreier Zugang zum Wasser: Die neue Uferpromenade wurde erst vor wenigen Tagen eröffnet.

Weitere Projekte in Mitte findet Ihr hier

Quellen: Architektur Urbanistik Berlin, Der Tagesspiegel, Berliner Woche, Bezirksamt Mitte, Wikipedia, pbp prasch buken partner architekten partG mbB

 

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