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„Gemeingut statt Leerstand“: Projekt gegen spekulative Stadtentwicklung

In Berlin hat sich eine Stadtbodenstiftung gegründet, die nach dem Vorbild amerikanischer „Community Land Trusts“ gegen Immobilienspekulation vorgehen will. Ziel der Initiative ist es, Grund und Boden für bezahlbaren Wohnraum und weitere, gewerbliche, soziale oder kulturelle Nutzungen zu gewinnen.

© Fotos / Video: Stadtbodenstiftung

 

„Mit der Stadtbodenstiftung wollen wir Möglichkeiten der Mitbestimmung über städtischen Boden und seine Nutzungen aufzeigen, die auch für staatliches Verwaltungshandeln Beispiele liefern können“. So äußert sich Sabine Horlitz, Vorständin der in Berlin gegründeten Stadtbodenstiftung.

Berlin braucht, nach Ansicht der Initiatoren der Stadtbodenstiftung, einen starken, gemeinnützigen und kollektiven Gegenpol zur Spekulation mit dem Boden und Baugrundstücken der Hauptstadt. So soll die Idee einer demokratisch organisierten Stiftung umgesetzt werden, welche –  inspiriert vom nordamerikanischen Modell des „Community Land Trust“ – einen anderen Umgang mit Grundstückseigentum realisiert.

Die Idee: Ein vollkommen anderer Umgang mit Grundstückseigentum

Ziel der im Frühjahr 2021 gegründeten Stiftung ist es, Grund und Boden dauerhaft dem profitorientierten Immobilienmarkt zu entziehen, um ihn für eine zivilgesellschaftlich gelenkte, gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung zu sichern. Die Stadtbodenstiftung sieht sich dabei als „Mit-Mach-Angebot“ an die Stadtgesellschaft.

Fast 150 Gründungsstifterinnen und Gründungsstifter haben gemeinsam mehr als 160.000 Euro Anfangsvermögen aufgebracht und die gemeinnützige Stadtbodenstiftung vor rund einem Jahr ins Leben gerufen.

Vorgehen gegen spekulativen Leerstand in Berlin

Ihre Arbeit dokumentieren die Initiatoren auf ihrer offiziellen Internetpräsenz, wo auch eine rund 21-minütige Dokumentation zu sehen ist, die von August bis Oktober 2021 an zwölf Orten Berlins mit spekulativem Leerstand entstanden ist – je einem pro Bezirk.

Die Bodenstiftung betont, dass die Nachbarschaften der jeweiligen Quartiere aktiv in die Entwicklung von Bauprojekten einbezogen werden soll, sobald ein Grundstück erworben werden konnte. Wie das konkret funktionieren kann, zeigt die Stiftung bei einem Projektvorhaben in Lichtenberg.

Deutschlandweit ist die Stiftung ein Novum

Hier verhandelt die Stiftung mit einem Wohnhauseigentümer, der dafür sorgen möchte, dass seine Mieterinnen und Mieter langfristig günstig wohnen können. Die gemeinnützige Stadtbodenstiftung übernimmt den Grund und verpachtet ihn nach dem Erbbaurechtsmodell für 99 Jahre.

Auch mit Genossenschaften, selbst organisierten Hausprojekten, Kitabetrieben oder Urban-Gardening-Initiativen möchte die Stiftung  zusammenarbeiten. Deutschlandweit ist die Stadtbodenstiftung ein Novum. Ob sie ein Projekt mit Vorbildcharakter für andere, deutsche Großstädte werden kann, werden die kommenden Jahre zeigen. Das hohe Engagement, das die Initiatoren in das Projekt investieren, ist in jedem Fall imponierend.

 

Hier könnt Ihr eine rund 21-minütige Dokumentation zur Projekttätigkeit der Initiative mit vielen O-Tönen aus den betroffenen Stadtteilen sehen: 

Weitere Rezensionen, Buchbesprechungen oder Filmempfehlungen findet Ihr auf unserer MEDIEN-Seite.
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Buchrezension: Sechs Siedlungen der Berliner Moderne
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1 Kommentar

  1. Hubertus Müller März 15, 2022

    Sehr gut, diese Initiative!
    Ich möchte in diwsem Zusammenhang auf mein gerade erschienenes Buch ‚Architektur für den Menschen? Eine Wahrnehmungsschule am Beispiel Berlin‘ hinweisen. Vorworte von Dr.Benedikt Goebel und Annette Ahme, EuropaBuch Verlag

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