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Jede Zeit baut ihre Stadt.

Petra Kahlfeldt fordert Rückbau von Straßen und Parkplätzen

Berlins Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt hat in einem dpa-Interview ihre Vorstellungen von der optimalen Stadtentwicklung für die Metropole Berlin formuliert. Überdimensionierte Straßen und Parkplätze sollen neu genutzt und mehr Flächen entsiegelt werden. Die Zeit der autogerechten Stadtplanung ist ihrer Ansicht nach vorbei. 

Autostadt Berlin: Die neue Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt möchte weniger Straßen und Parkplätze und eine effizientere Flächennutzung. / © Foto: depositphotos

© Foto Petra Kahlfeldt: Stefan Gabsch
© Weitere Fotos: depositphotos

 

Berlins Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt hat in einem dpa-Interview ihre Vorstellungen von der optimalen Stadtentwicklung für die Metropole Berlin formuliert. Überdimensionierte Straßen und Parkplätze gehören ihrer Ansicht nach der Vergangenheit an und sollten künftig anders genutzt werden.

Was Kahlfeldt in ihrem Gespräch mehrfach unterstrich war der Ansatz, bestehende Stadtstrukturen zu nutzen statt massiv und rücksichtslos neu zu bauen. Seit Dezember 2021 ist Petra Kahlfeldt als Nachfolgerin von Regula Lüscher im Amt der Berliner Senatsbaudirektorin tätig und hat die ersten Monate im neuen Amt offenbar dafür genutzt, die Stadtentwicklung der vergangenen Jahre einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Zukünftige Stadtentwicklung in Berlin: Kahlfeldt plädiert für Nachhaltigkeit

Die zukünftigen Planungsaktivitäten sollten laut Kahlfeldt einen stark nachhaltig orientierten Charakter haben. Berlin müsse sich verändern, um in Zeiten von Klimaschutz und Klimawandel zukunftsfähig zu bleiben. „Was es braucht, ist eine kritische Revision der bestehenden Stadt, um diese in eine nachhaltige Zukunft zu führen„, sagte die gelernte Architektin.

Beim Stadtumbau müsse nicht nur an neue Quartiere und Neubauvorhaben gedacht werden. Man brauche eine integrierte Entwicklung von allen städtischen Funktionen. Dazu zählten laut Kahlfeldt auch Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten, Schulen, Kitas, Kulturangebote, Handel, Stadtgrün oder Schattenflächen sowie kurze Wege. Es gehe insgesamt darum, Berlin lebenswerter zu machen.

Spittelmarkt und Stadtautobahn: Kahlfeldt sieht überdimensionierte Verkehrsflächen

Kahlfeldt nannte konkrete Beispiele für mögliche Optimierungen bestehender Stadtstrukturen. So sollte etwa der Ast der Stadtautobahn 100, der zum Breitenbachplatz führt, oder die A103 in Steglitz zurückgebaut werden. Auch den heutigen Spittelmarkt nannte Kahlfeldt als Negativ-Beispiel. Vor allem beim geforderten Rückbau von innerstädtischen Autobahnen gibt es jedoch große Differenzen mit dem Bund, der eher Autobahnkilometer schaffen möchte, anstatt diese zu reduzieren.

Beim Rückbau der stadtzerstörenden Verkehrsräume könnten beste innerstädtische Flächenpotenziale in schöne und nachhaltige, den Stadtgrundriss ergänzende Quartiere überführt werden für Wohnungsneubau, Naherholungsflächen und gemeinwohlorientierte Nutzungen.

Molkenmarkt-Wiederaufbau als städtebauliches Modellprojekt?

Städtebauliche Projekte, die bereits in diese Richtung zeigen, sind etwa der geplante Wiederaufbau des Molkenmarktes in Berlin-Mitte oder die deutlich schmaler geplanten Brücken-Neubauten von Mühlendammbrücke und Neuer Gertraudenbrücke.

Alternativ brauche es laut Kahlfeldt aber einen ausgebauten und attraktiven Öffentlichen Personennahverkehr, der flächenmäßig nur die Hälfte der heute benötigten Straßenräume einnehme. Klares Ziel ist die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs.

Berliner CDU kritisiert die Pläne Kahlfeldts

Die parteilose Baudirektorin erhält nicht nur Zustimmung für ihre Pläne. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici, hat sich gegen den Vorstoß Kahlfelds ausgesprochen. Einen Rückbau etwa von Teilen der A100 oder A103 bewertet er als illusorisch. Das Geld, das der Rückbau kosten würde, sollte laut Friederici besser in den Ausbau von Rad- und Gehwegen und für den ÖPNV genutzt werden.

Kahlfeldt jedoch betonte, dass in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zu viele Flächen dem Verkehr geopfert wurden und somit verloren gegangen sind. Zudem verstärke Asphalt die Hitze in der zunehmen wärmer werdenden Stadt noch. „Wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht man, was für einen Flächenfraß diese Verkehrswege bedeuten.

Versiegelte Flächen sollten wieder nutzbar gemacht werden

Das Ziel der heutigen Stadtgesellschaft müsse es sein, sich diese versiegelten Flächen zurückzuholen und sie neu zu bespielen. Zudem sollten Neubauvorhaben auf bereits versiegelten Flächen entstehen, anstatt bislang unversiegelte Flächen dafür zu verwenden. Auch die Forderung von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, dass in Berlin höher gebaut werden müsste, unterstützt Kahlfeldt.

Die Voraussetzungen, um Berlin nachhaltig zu entwickeln, sind laut Kahlfeldt mehr gegeben als in anderen europäischen Großstädten. Die Stadt in ihrem heutigen Körper sei erst vor etwas mehr als 100 Jahren durch den Zusammenschluss von acht Städten und 56 Dörfern entstanden. „Sie weist so eine unglaublich belastbare Siedlungs- und städtische Infrastruktur auf, weil sie viele und viele unterschiedliche Zentren hat.

 

Weitere Bilder zum Thema findet Ihr hier:

Laut Petra Kahlfeldt ein Negativ-Beispiel der modernen Stadtentwicklung in Berlin: Der von breiten Straßenzügen durchzogene Spittelmarkt in Berlin-Mitte / © Foto: depositphotos

Weniger Straßen, mehr entsiegelte Flächen: So stellt sich Petra Kahlfeldt die zukünftige Entwicklung Berlins vor. / © Foto: depositphotos

Quellen: DPA, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Der Tagesspiegel, RBB, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN

 

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