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Sakralprojekt am Petriplatz: Das „House of One“ soll 2028 fertig sein

Das Sakralprojekt „House of One“ am Petriplatz in Berlin-Mitte ist eines der ungewöhnlichsten Bauvorhaben Berlins und erregt längst internationale Aufmerksamkeit. Da das Projekt zum Teil von privaten Spenden abhängig ist, geht es mitunter nur langsam voran. Bis 2028 soll das Projekt abgeschlossen werden.

Ein Gebäude für drei Religionen: So soll das „House of One“ am Petriplatz in Berlin-Mitte bis 2028 aussehen. / © Visualisierungen: Kuehn Malvezzi

© Visualisierungen: Kuehn Malvezzi
Text: Björn Leffler

 

Für Bauvorhaben am historisch so bedeutsamen Petriplatz in Berlin-Mitte scheint grundsätzlich ein langer Atem gefragt zu sein. Das geplante Sakralprojekt „House of One“, an dessen Umsetzung die Initiatoren bereits seit 2011 arbeiten, soll nach aktuellem Planungsstand bis 2028 fertig sein. Eine ausgesprochen lange Zeit, um ein verhältnismäßig kleines Gebäude zu realisieren.

Aber so einfach ist das natürlich nicht, auf einem so sensiblen Platz wie dem Bebelplatz, mit einem noch sensibleren Thema, einem Gotteshaus für drei Religionen. Ein Projekt, welches in dieser Form weltweit kaum Vorbilder hat.

Bauvorhaben am Petriplatz scheinen grundsätzlich eher langwierig zu sein

Das Bauvorhaben „House of One“ ist am Petriplatz aber nicht das einzige Projekt, welches in seiner Umsetzung kompliziert und langwierig ist. Auch die Planungen für das benachbarte „Archäologische Haus“, ein landeseigenes Projekt, begannen schon Anfang der 2010er Jahre.

Bereits 2012 war der Architekturwettbewerb für den Neubau eines „Archäologischen Hauses“ am Petriplatz entschieden worden, aber erst im Jahr 2019 hatten die Bauarbeiten unweit vom Spittelmarkt begonnen. Bis 2024 soll das Projekt nun abgeschlossen werden.

„House of One“: Grundsteinlegung erfolgte im Frühjahr 2022

Für das „House of One“ wurde im vergangenen Frühjahr der Grundstein gelegt. Auf der Baustelle selbst ist jedoch wenig tatsächlicher Fortschritt zu erkennen. Schuld an den zahlreichen Verzögerungen tragen aber nicht allein die Bauverantwortlichen.

An der archäologischen Stätte hatten vor allem Ausgrabungen den Bau stark verzögert. Nach dem Regierungswechsel im vergangenen Jahr gab es zudem neue Auflagen für Umweltschutzanforderungen, die erfüllt werden müssen.

Neue Auflagen und archäologische Ausgrabungen bremsten das Projekt

Öffentlich geförderte Bauten müssen demnach mehr Energie sparen, als bis dahin vorgesehen war. Laut der überarbeiteten Planung soll das „House of One“ künftig deshalb auch über Erdwärmeheizung und Solaranlagen verfügen.

Hinzu kommen die gestiegenen Baupreise. Ursprünglich war das Projekt auf 47 Millionen Euro taxiert worden, rund 30 Millionen Euro werden vom Bund und vom Land Berlin finanziert. Der Rest des Betrages muss über private Spenden erbracht werden. Schon jetzt ist aber absehbar, dass das Projekt insgesamt teurer werden wird.

Das „House of One“ leistet schon heute intensive Bildungs- und Aufklärungsarbeit

Bevor das physische Haus tatsächlich fertig wird, ist die Institution „House of One“ schon heute ausgesprochen aktiv und hält Schulungen, Diskussionsrunden und Fragestunden zu religiösen Fragen ab. Die Nachfrage sei enorm hoch, mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien hierfür jede Woche im Einsatz, können die Anzahl der Anfragen aber kaum noch bedienen.

Das Interesse am Thema Religion und vor allem darüber, wie sich Christentum, Islam oder Judentum zu aktuellen, gesellschaftlichen Themen positionieren oder welches die Hintergründe für den geplanten Bau des „House of One“ sind, ist offenbar sehr groß. Für die Initiatoren des Projekts ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass sie mit ihrem Projekt ein gesellschaftlich relevantes Vorhaben umsetzen.

Das Projekt ist weiterhin auf private Spenden angewiesen

Nicht nur für den Bau, sondern auch für diese Bildungsarbeit ist das „House of One“ jedoch auf private Spenden angewiesen. Denn diese Arbeit wird nicht von Land und Bund gefördert. Die Finanzierung gilt nur für den Bau selbst.

Auch aus dem Ausland gibt es ein wachsendes Interesse an dem ungewöhnlichen Projekt. Das „House of One“ unterhält Partnerschaften nach Tbilisi in Georgien, nach Bangui in der Zentralafrikanischen Republik und nach Haifa in Israel. Zuletzt gab es im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ein Netzwerktreffen in der Hauptstadt Doha.

„House of One“: Ein neuartiges und zukunftsweisendes Gebäude soll entstehen

Das „House of One“ soll der erste Sakralbau sein, in dem Juden, Christen und Muslime vereint unter einem Dach ihre Religion ausüben können. Die Idee hinter dem Projekt ist es, ein völlig neuartiges, zukunftsweisendes Sakralgebäude gemeinsam durch Juden, Christen und Muslime planen und bauen zu lassen und mit Leben zu füllen.

Das Motto des Projektes ist: „Drei Weltreligionen – ein Weg zu Gott“. Erklärtes Ziel der Initiative ist es, die Verständigung und den Austausch zwischen diesen drei großen Religionen zu fördern und zu verbessern bzw. überhaupt erst möglich zu machen.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

© Visualisierungen: Kuehn Malvezzi

© Visualisierungen: Kuehn Malvezzi

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