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Jede Zeit baut ihre Stadt.

Für das historische Herz der Stadt: „Stiftung Mitte Berlin“ gegründet

Die Unternehmerin und Autorin Marie-Luise Schwarz-Schilling hat die „Stiftung Mitte Berlin“ gegründet. Die Stiftung will sich aktiv, öffentlich und transparent für eine dicht bebaute und belebte Innenstadt auf dem Gebiet der einstigen Berliner Altstadt einsetzen. So sollen viele Straßen und Plätze in Struktur und Form der 1920er Jahre wiederaufgebaut werden. Die Stiftung ist prominent besetzt und lädt schon im Oktober zu ersten Veranstaltungen ein. 

Die Klosterstraße in Berlin-Mitte. Die städtebaulichen Strukturen des Jahres 1928 wurden in dieser Visualisierung in das Jahr 2028 übertragen. / © Stiftung Mitte Berlin

© Fotos und Visualisierungen: Stiftung Mitte Berlin
Text: Björn Leffler

 

Sowohl die Fachleute als auch die Berliner Öffentlichkeit haben sich gerade erst vom desaströsen Ausgang (oder Nicht-Ausgang) des Gestaltungswettbewerbs um den Wiederaufbau des historischen Molkenmarkts in Berlin-Mitte erholt. Schon gibt es eine neue Institution, die ankündigt, sich intensiv mit einem möglichen Wiederaufbau der historischen Berliner Altstadt auseinandersetzen zu wollen.

Dabei sollen die Bestrebungen der Gruppe nicht auf das Gebiet des Molkenmarkts beschränkt bleiben, sondern auch Innenstadtbereiche betreffen, die darüber hinaus gehen. Initiatorin des Projekts ist die Unternehmerin und Autorin Marie-Luise Schwarz-Schilling, die die „Stiftung Mitte Berlin“ gegründet hat und gleichzeitig auch deren  Vorsitzende ist.

Marie-Luise Schwarz-Schilling, gebürtige Berlinerin, hat die Stiftung gegründet

Schwarz-Schilling hat sich namhafte Unterstützer mit ins Boot geholt. Weitere Vorstandsmitglieder der Stiftung sind Dr. Benedikt Goebel (Stadtforscher und stellvertretender Vorsitzender) sowie David Kastner (Immobilienmanager). Als Projektmanager konnte Bertram Barthel gewonnen werden.

Gründerin Marie-Luise Schwarz-Schilling, geboren 1932 in Berlin und 1992 nach einer erfolgreichen Unternehmerinnenkarriere in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt, äußert sich zu ihrem neu begonnenen Engagement wie folgt: „Berlin ist eine wunderbare Stadt, aber seine Mitte ist eine Betonwüste. Spät aber nicht zu spät fiel mir ein, dass ich für mein geliebtes Berlin etwas tun müsste. Deshalb gründete ich als Motor der Wiedergewinnung der Berliner Altstadt meine Stiftung.

Ziel der Stiftung: Wiedergewinnung der belebten Berliner Altstadt

Das Ziel Schwarz-Schillings ist die Wiedergewinnung der Berliner Altstadt, wie sie vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten gewesen ist. Schwarz-Schilling über das Ziel ihrer Stiftung: „Sie setzt sich dafür ein, dass im Bereich der ehemaligen Altstadt möglichst viele Plätze, Gebäude und Denkmäler aus der Zeit vor 1933 wiedergewonnen werden. Ziel ist es, sowohl die EntscheidungsträgerInnen zu gewinnen als auch die Berliner Bürger, die ihre Kieze lieben, ihre Kernstadt aber oft nicht zur Kenntnis nehmen, für diese Gemeinschaftsaufgabe zu begeistern.“

Um die Relevanz der zukünftigen Stiftungsarbeit zu unterstreichen, wurde der Name „Stiftung Mitte Berlin“ mit dem Zusatz „Für das Herz der Stadt“ versehen. Die Stiftung möchte sich mit ihrer Arbeit nach eigener Aussage zugleich für die ideelle Mitte Deutschlands im Herzen Europas einsetzen, da die historische Mitte der Hauptstadt weit über Berlins Grenzen hinaus eine starke Ausstrahlung habe.

Die Stiftung möchte ein internationales Vorzeigeprojekt auf den Weg bringen

Den Verantwortlichen schwebt daher ein internationales Vorzeigeprojekt „für den Umbau der autogerechten Betonstadt in eine nachhaltige und menschenfreundliche Innenstadt“ vor. Was die Gruppe um Schwarz-Schilling vorhat, soll also mitnichten „nur“ eine Rekonstruktion historischer Stadtstrukturen sein, sondern auch ein Paradebeispiel für nachhaltige Stadtentwicklung und die Wiederbelebung der in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren verbauten deutschen Innenstädte werden. Denn Berlin ist dabei wahrlich kein Einzelfall.

Hohe Ziele also. Es wäre daher spannend zu wissen, welchen der zwei konkurrierenden Entwürfe um den Wiederaufbau des Molkenmarkts die Stiftung unterstützt. Eine Fragestellung, die in der Zukunft sicher noch aufkommen wird. Zuerst einmal wird es jedoch darum gehen, die Arbeit der Stiftung präsent und bekannt zu machen.

Stiftung wird sich im Oktober beim „Mitte Festival“ erstmals präsentieren

Das soll erstmalig im Rahmen des „Mitte Festivals“ vom 19. bis 23. Oktober erfolgen, wo die einstige und potenzielle Schönheit von Mitte anhand von Foto- und Filmmaterial in eigenen Veranstaltungen gezeigt werden soll. Auch mehrere Diskussionsrunden sind geplant.

Um zu demonstrieren, wie die Berliner Mitte im Jahr 2028 aussehen könnte, hat die „Stiftung Berlin Mitte“ einen Bildreporter in die Zukunft geschickt, der zeigt, wie die Qualitäten der Berliner Mitte 1928 in das Jahr 2028 übertragen werden könnten. Mit freundlicher Genehmigung der Stiftung können wir diese Bilder auf ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN veröffentlichen.

Spannende Visualisierungen: 100 Jahre alte Gebäude ins Jahr 2028 transportiert

Viele Zeitgenossen halten unser Ziel für verrückt. Aber auch in Berlin haben noch nicht alle verlernt, dicke Bretter zu bohren. Das kostet Zeit, Arbeit und Geld. Warum soll in Berlin aber nicht gelingen, was andere deutsche Städte wie Lübeck, Potsdam, Dresden und Frankfurt am Main geschafft haben?„, so Schwarz-Schilling abschließend.

Wir werden die angehende Arbeit der Stiftung mit großem Interesse weiterverfolgen. Wer mehr über die neu gegründete Stiftung erfahren möchte, kann sich auf der offiziellen Internetpräsenz informieren. Dass auch in Berlin jahrzehntelange und ursprünglich als Unfug abgetane Bauvorhaben gelingen können, zeigt nicht zuletzt der erfolgreiche Wiederaufbau des historischen Stadtschlosses. Womöglich war dies nur die Spitze des Eisbergs einer viel weiter gefassten Bewegung.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

„Für das Herz der Stadt“: Offizielles Logo der neu gegründeten „Stiftung Mitte Berlin“.

Vision oder Utopie? Der Große Jüdenhof im Jahr 2028, mit wieder errichteten Gebäuden aus dem Jahr 1928. / © Stiftung Mitte Berlin

So würde das Moses-Mendelssohn-Haus des Jahres 1928 aussehen, wenn man es auf seinem historischen Grund nahe der Marienkirche in Berlin-Mitte wiederaufbauen würde. / © Stiftung Mitte Berlin

Das historische Vorbild: Aufnahme der Berliner Altstadt, von Nordwesten aus der Luft aufgenommen, im Jahre 1925 / © Foto: Sammlung Jörn Düwel, Hamburg

Gründerin und Vorsitzende der „Stiftung Mitte Berlin“: Unternehmerin und Autorin Marie-Luise Schwarz-Schilling / © Stiftung Mitte Berlin

Vorstandsmitglied der „Stiftung Mitte Berlin“: Dr. Benedikt Goebel. Bild: Wolfgang Hilse. © TTB

Vorstandsmitglied der „Stiftung Mitte Berlin“: David Kastner. / © Stiftung Mitte Berlin

Weitere Themen in Mitte findet Ihr hier

Quelle: Stiftung Mitte Berlin, Wikipedia, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN

 

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