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Mercedes-Benz-Quartier in Friedrichshain: Die Vollendung naht

Auf dem Areal zwischen Ostbahnhof, East Side Gallery und Warschauer Straße ist in den vergangenen fünfzehn Jahren eines der größten Geschäfts- und Unterhaltungsviertel Berlins entstanden. Während die letzten Projekte auf dem Gelände im Bau sind, nähert sich das Quartier seiner Vollendung.

Hochhausprojekt im Westen des Quartiers: Das Wohnungsbauvorhaben „Max & Moritz“.

© Fotos: Celine Hellriegel

 

Es ist mittlerweile rund 22 Jahre her, dass das US-amerikanische Unternehmen Anschutz Group weite Teile des Areals zwischen Ostbahnhof und dem Bahnhof Warschauer Straße erwarb. Bei dem Gelände handelte es sich um das ehemalige Ostgüterbahnhofsgelände, ein altes Bahngelände, welches lange brach lag.

Nach der Wende wurde das Gebiet, wie insgesamt der Spreeraum, mit großzügigen Bebauungsplänen belegt, die umfangreiche Neubauten möglich machten. Die Planungen für diesen Stadtraum waren geprägt von der Nachwendeeuphorie und sollten dieses bisher durch die Teilung der Stadt an der Peripherie gelegene Gebiet nach vorn bringen – die Idee der „Mediaspree“ war geboren.

Das Areal ist Teil des „Mediaspree“-Projekts

Anschutz hatte große Pläne mit dem ihm überantworteten Areal, welches als Teil des gesamten „Mediaspree“-Gebietes zu sehen ist, welches sich von der Jannowitzbrücke bis zur Elsenbrücke auf beiden Seiten der Spree erstreckt. Anschutz wollte unweit des Bahnhofs Warschauer Straße eine große Veranstaltungshalle errichten und rund um die Arena ein neues Stadtviertel entwickeln.

Der Grundstein für die Halle wurde im September 2006 gelegt. Ein Jahr später erfolgte bereits das Richtfest, im September 2008 dann die Einweihung.  Die Halle mit Platz für bis zu 17.000 Besucherinnen und Besuchern hieß zunächst O2 World, seit 2015 trägt sie den Namen Mercedes-Benz-Arena.

Die Finanzkrise bremste die weitere Entwicklung des Geländes aus

Kurzzeitig gab es auch Pläne, neben der Arena ein Riesenrad zu errichten, was sich aber bereits Ende 2006 wieder zerschlagen hatte. In den folgenden Jahren blieb die Arena allerdings ein Solitär im freien Stadtraum. Weitere Investitionen wurden zunächst vor allem durch die Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 ausgebremst. Auch Proteste der Bevölkerung gegen eine zu massive Bebauung regten sich in dieser Zeit.

Der erfolgreiche Bürgerentscheid „Mediaspree versenken“, der in puncto Bauhöhe und Abstand zum Flussufer Einschränkungen im Spreeraum verlangte, wirkte sich auf die weitere Planung des Geländes aus, ohne diese tatsächlich ausbremsen zu können.

Ab 2013 nahm die Entwicklung dann erneut Fahrt auf

2013 eröffnete Mercedes Benz auf dem Gelände seine neue Dienstleistungszentrale auf dem Gelände, was einer Initialzündung für die weitere Entwicklung des Areals gleichkam. Zugleich wurde Mercedes Benz zum Namensgeber des gesamten Areals. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Büro- und Wohnungsprojekte auf den Weg gebracht und realisiert.

Ein weiterer Ankermieter auf dem Gelände ist das Berliner Unternehmen Zalando, welches gerade dabei ist, ein weiteres Bürogebäude zu beziehen – das von der österreichischen Signa-Gruppe errichtete Hochhaus „Stream Berlin“. Zwei großformatige Bauprojekte auf dem Areal sind noch im Bau. Dies ist einerseits das Wohnprojekt „Max & Moritz“ auf der westlichen Seite des Geländes sowie das „EDGE East Side„, welches zukünftig vornehmlich vom US-Unternehmen amazon genutzt werden wird.

Architektonische Nüchternheit prägt das Mercedes-Benz-Quartier

Das Hochhaus, welches direkt neben der East Side Mall entsteht, wird mit einer erwarteten Gebäudehöhe von 140 Metern nicht nur das Mercedes-Benz-Quartier, sondern den gesamten Stadtraum zwischen Oberbaumbrücke und Warschauer Straße vollkommen neu definieren – und wohl auch dominieren.

Streift man heute durch das entstandene Viertel, dominiert trotz vereinzelter, ansprechend gestalteter Projekte wie dem „Stream Berlin“ oder dem „Max & Moritz“ vor allem monotone und eintönige Architektur, die man als „von der Stange“ bezeichnen könnte. Für die Mercedes-Benz-Arena selbst ist das nach nordamerikanischem Vorbild neu entstandene Entertainment- und Gastronomie-Umfeld direkt an der Arena natürlich ein Gewinn.

mehr Kreativität, mehr Mut und mehr Grün hätten dem neuen Quartier gut getan

Städtebaulich hat das fast fertiggestellte Mercedes-Benz-Quartier zwar eine große Lücke geschlossen, kann architektonisch jedoch nur in Ausnahmen überzeugen. Zu steril wirken viele der neue entstanden Straßenzüge und Gebäude. Beim derzeit diskutierten Umbau des RAW-Geländes an der Revaler Straße wurde das Quartier gar als Negativ-Beispiel herangezogen.

Vielleicht werden einige der zum Teil sehr schnell aus dem Boden geschossenen Gebäuden in den kommenden Jahrzehnten noch einmal kritisch überprüft und durch kreativere, mutigere Ansätze ersetzt oder ergänzt. Die ein oder andere Grünfläche würde dem Quartier durchaus guttun.

Angrenzende Projekte werden deutlich innovativer geplant

Deutlich innovativer sind die Projektplaner bei vergleichbaren, angrenzenden Projekten vorgegangen, wie etwa dem geplanten Wriezener Karree oder dem Business Campus auf dem historischen Postbahnhof-Gelände. Beide Bauvorhaben entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mercedes Benz Quartier.

Unabhängig von der architektonischen Nüchternheit des Viertels muss dennoch betont werden, dass auf dem Gelände ein wichtiger Wirtschaftsstandort für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg entstanden ist. Immerhin arbeiten heute viele tausend Menschen zwischen East Side Gallery, Warschauer Straße und Ostbahnhof – Tendenz steigend.

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Zentrum des Büro- und Entertainment-Viertels: Die Mercedes Benz Arena, in der bis zu 17.000 Menschen Platz finden. Mit der Verti Music Hall ist direkt daneben eine weitere, kleiner dimensionierte Konzerthalle entstanden.

Das meiste ist schon fertig, einiges noch im Bau: Das Mercedes Benz Quartier in Friedrichshain.

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1 Kommentar

  1. RB April 10, 2022

    Schlimmer und unattraktiver hätte das Viertel nicht werden können.

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