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Charlottenburg: Spektakuläres Konzept für Hardenbergplatz-Umbau

Ideen zur Umgestaltung des Hardenbergplatzes in Berlin-Charlottenburg hat es in den vergangenen Jahrzehnten viele gegeben – umgesetzt wurde keine von ihnen. Nun schlägt Architekt Christoph Langhof ein vollkommen neues Nutzungskonzept für den Vorplatz des Bahnhof Zoo vor. Er möchte fünf 70 Meter hohe Gebäude errichten und den Autoverkehr vom Platz verbannen. 

Zukunftsvision für den Hardenbergplatz in Berlin-Charlottenburg: Architekt Christoph Langhof will den Pkw-Verkehr vom Platz verbannen und dafür Grünflächen und insgesamt fünf gemischt genutzte Wohnhäuser errichten. / © Visualisierung: Langhof GmbH

© Visualisierungen: Langhof GmbH
Text: Björn Leffler

 

Rund um den Hardenbergplatz in Berlins City West werden zahlreiche Großprojekte umgesetzt, die das Stadtbild am Bahnhof Zoologischer Garten in den kommenden Jahren maßgeblich verändern werden.

So ist etwa auf dem Areal an der Hertzallee, westlich vom Bahnhof Zoo, der Bau eines neuen Hochhausquartiers mit bis zu 110 Meter hohen Gebäuden geplant. Direkt an dieses Areal angrenzend baut die TU Berlin bereits mehrere Gebäude, die aller Voraussicht nach noch  in diesem Jahr fertiggestellt werden.

Am Bahnhof Zoo soll in den kommenden Jahren ein Hochhausquartier entstehen

Auch der Bahnhof Zoologischer Garten selbst wird aktuell für 125 Millionen Euro aufwendig saniert und modernisiert, wie auch das am Hardenbergplatz stehende Huthmacher-Haus, welches derzeit entkernt und umgebaut wird. Auf dem Hardenbergplatz selbst hingegen tut sich bislang nichts, dabei hat es in den vergangenen Jahren zahlreiche Planungsvorhaben gegeben.

Der Platz, der vielen Berlinerinnen und Berlinern sowie auch Gästen der Stadt lediglich als Vorplatz des Bahnhofs Zoo und Parkfläche bekannt ist, ist seit Jahrzehnten aber eher ein unrühmliches Eingangstor zur City West.

Ideen für den Hardenbergplatz gab es viele, umgesetzt wurde keine von ihnen

Entstanden ist der Platz im Jahre 1958, als der zwischen Hertzallee und Hardenbergstraße befindliche Teil der Joachimsthaler Straße in Hardenbergplatz umbenannt und zu einem solchen umgebaut wurde. Benannt ist er – wie auch die Hardenbergstraße – nach dem preußischen Staatsmann Karl August von Hardenberg.

Nie umgesetzt wurde die Mitte der 2000er Jahre geborene Idee, die auf dem Platz befindlichen Parkplätze in eine Tiefgarage unter den Platz zu verlegen, angeblich aus Mangel an finanziellen Mitteln. Auch der Bau eines 200 Meter hohen Gebäudes, was Architekt Christoph Langhof vor einigen Jahren vorgeschlagen hatte, wurde nicht realisiert.

Der Bezirk möchte den Platz zu einem innovativen Verkehrskreuz umbauen

Von der zuletzt im Mai 2022 angekündigten Umgestaltung des Hardenbergplatzes in ein smartes, zukunftsorientiertes Verkehrsdrehkreuz ist bislang auch nichts zu sehen, obwohl Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffenegger angekündigt hatte, rund 1,4 Millionen Euro für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes zu nutzen, die das Bundesinnenministeriums dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zur Verfügung gestellt hatte.

Eine gänzlich andere Nutzung des Platzes schlägt nun Architekt Christoph Langhof vor, der sich in einem ausführlichen Interview kürzlich vehement dafür ausgesprochen hatte, in Berlin höher, dichter und nachhaltiger zu bauen.

Christoph Langhof: Fünf Hochhäuser für den Hardenbergplatz

Wie diese Forderung in der Praxis aussehen könnte, zeigt er eindrucksvoll am Beispiel des Hardenbergplatzes, auf den der österreichische Architekt fünf Häuser setzen möchte. Aber nicht nur das. Langhof möchte gleichzeitig die Ausdehnung der Grünflächen deutlich erhöhen und den privaten Pkw-Verkehr vom Platz verbannen.

Langhof möchte den Planungen der Stadt Berlin überhaupt nicht im Wege stehen, den Hardenbergplatz zu einem Verkehrsknotenpunkt für Tram, Bus und Fahrräder auszubauen. Die Parkplätze für Autos und Autoverkehr generell möchte Langhof jedoch künftig nicht mehr auf dem Hardenbergplatz verortet sehen.

Hardenbergplatz: Grünflächen und Hochhäuser statt Parkplätze?

Anstelle der heutigen Parkplatznutzung setzt Langhof ein spannendes Nutzungskonzept. Durch die freiwerdenden Parkplatzflächen könne die versiegelte Fläche nach Angaben seines Büros auf dem Platz von 95 auf 40 Prozent reduziert werden. Dennoch wäre Platz für fünf Häuser mit einer Höhe von 60 Metern.

Diese Hochhäuser sollen jeweils mit einer Windturbinen-Anlage auf dem Dach ausgestattet werden, die noch einmal zehn Meter obendrauf setzen würde. Die Gebäude sollten nach Langhofs Vorstellung aber nicht nur Energie durch Windturbinen erzeugen, sondern auch flächendeckend mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden, direkt auf der Gebäudefassade.

Nachhaltige Hochhäuser: Windturbinen, Solarpanele und Dachbegrünung

Die Dächer und Teile der Gebäude sollen extensiv begrünt werden. Langhof betont dabei die Chance, die fast vollständig versiegelte Platzfläche mit nachhaltigen Gebäuden zu bebauen und dabei noch Flächen zu entsiegeln, anstatt am Stadtrand grüne Wiesen für den Wohnungsbau zu opfern.

Und grün soll es nach seinen Vorstellungen künftig auch auf dem Hardenbergplatz sein, das zeigen die Visualisierungen des Büros, die den 230 Meter langen und 90 Meter breiten Platz vollkommen neu ordnen – vorerst noch virtuell.

Wohnen und Arbeiten: Mischnutzung in den künftigen Hochhäusern geplant

Neben dem BVG-Linienverkehr sollen künftig nur Radfahrer und Lieferverkehr über den Platz fahren. In den Untergeschossen der Gebäude sollen Fahrradgaragen eingerichtet werden, darüber soll es eine Mischnutzung aus Büroflächen und Wohnungen geben. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr könnte an dieser Stelle tatsächlich kaum besser sein, mehrere S- und U-Bahnlinien verkehren direkt am Bahnhof Zoo.

Ergänzt wird das Konzept noch durch ein nachhaltiges Regenwassermanagement, was dafür sorgen soll, dass die Niederschläge vor Ort gehalten und zur Bewässerung der Grünflächen genutzt werden können. Die künftigen Wohnhäuser sollen, trotz der dichten Bebauung, auch weiterhin eine natürliche Windzirkulation zulassen.

Wer sich die Projektunterlagen des Konzepts ansieht, welche der ENTWICKLUNGSSTADT-Redaktion vorliegen, erkennt schnell, dass es sich bei diesem Vorschlag nicht etwa um einen Schnellschuss handelt. In die Überlegungen zur Umgestaltung des Platzes scheinen viel Arbeit und vor allem eine Menge innovative Ideen geflossen zu sein.

Ein vergleichbares Konzept schlägt Langhof auch in Prenzlauer Berg vor

Nun ist die Bezirkspolitik gefragt, wenn nicht sogar direkt der Berliner Senat unter Führung von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel. Ein ganz ähnliches Konzept hat Christoph Langhof übrigens auf dem Gelände des alten Viehschlachthofs in Prenzlauer Berg an der Eldenaer Straße vorgeschlagen.

Im Bezirk Pankow treffen Langhofs Vorschläge auf ein sehr geteiltes Echo, werden von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jedoch unterstützt. Es wird daher spannend zu beobachten sein, wie die Bezirkspolitiker in Charlottenburg-Wilmersdorf auf Christoph Langhofs städtebauliches Konzept reagieren werden.

 

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Neue Skyline für die Berliner City West? Architekt Christoph Langhof schlägt den Bau von fünf 70 Meter hohen Gebäuden auf dem Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo vor. / © Visualisierung: Langhof GmbH

© Visualisierung: Langhof GmbH

© Visualisierung: Langhof GmbH

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© Visualisierung: Langhof GmbH

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Quellen: Langhof GmbH, Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN

 

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