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Jede Zeit baut ihre Stadt.

Metropolregion Berlin: Komplexe Großprojekte der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn setzt in der Metropolregion Berlin mehrere große und komplexe Bauvorhaben um. Jahrzehntelanger Investitionsstau aber auch die Herausforderungen der wachsenden Hauptstadt führen zu Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen. Dennoch gehen die schwierigen Bauvorhaben voran.

Eines der größten Bauprojekte der Deutschen Bahn in Berlin ist die derzeit laufende Instandsetzung des Ostbahnhofs in Friedrichshain.

© Fotos: depositphotos.com
Text: Henriette Schubert

 

Für neue Schienen, Tunnel und Gebäude in Berliner Bahnhöfen investiert die Deutsche Bahn derzeit mehrere hundert Millionen Euro. Doch die vier größten Projekte am Berliner Hauptbahnhof,  dem Ostbahnhof, an der Siemensbahn sowie am Bahnhof Schöneweide charakterisieren sich vor allem durch Probleme und Verzögerungen.

Verspätungen und Unpünktlichkeit schmälern das Ansehen der Deutschen Bahn zunehmend, auch in der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Der in diesem Jahr erstmalig durch das Bundesverkehrsministerium durchgeführte „Tag der Schiene“ sollte diesem Image entgegenwirken.

Die Öffnung von vier Baustellen für Besucherinnen und Besucher in Berlin sollte die Investitionen der Bahn demonstrieren. Doch Probleme und Verzögerungen häufen sich, das wurde im Rahmen des öffentlichen Events mehr als klar.

Bauprojekte der Bahn: Investition für Verbesserung und Imagewandel

Das Projekt „City-S-Bahn“ (ehemals „S21“) soll nach aktuellem Stand im Dezember 2023 eröffnet werden und den Hauptbahnhof sowohl im Norden als auch im Süden mit der Innenstadt verbinden. Die geplante Eröffnung bezieht sich jedoch nur auf den Abschnitt Richtung Nordosten. Die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts ist noch nicht in Planung.

Überdies soll ein dritter Abschnitt hinzukommen, der die Linie bis zur Yorckstraße und zum Bahnhof Südkreuz führen soll.  Bereits 2017 sollte der erste Streckenabschnitt fertiggestellt werden. Stattdessen steht das Fertigstellungsdatum der gesamten Strecke bislang nicht öffentlich fest, die Baukosten steigen weiterhin an.

Die nördlich des Hauptbahnhofs unter der Invalidenstraße liegende Interimsstation wird nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts abgerissen. Eine hohe Investition für eine Station, die nur wenige Jahre im Einsatz sein wird. Ein Projektvorgehen, welches von vielen Beobachtern durchaus kritisch betrachtet wird.

Notwendige Sanierungsarbeiten an der Stadtbahn werden aufgeschoben

Probleme mit der Stützkonstruktion der sechsgleisigen Brücke für die Stadtbahn beeinflussen das Projekt zusätzlich. Eine Sanierung des Brückenbaus ist dringend notwendig, die Bahn verschiebt diese Arbeiten jedoch auf den zweiten Bauabschnitt.

Alexander Kaczmarek, Bahn-Manager für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, sieht das größte Problem darin, dass die Bahn nicht auf einer grünen Wiese baue. Wenn alles gut verlaufe, könnte der zweite Bauabschnitt bis 2030 fertiggestellt sein. Immerhin sei eine geeignete Trasse für die neue Strecke gefunden worden. Hier hatte es eine jahrelange Diskussion um die optimale Streckenführung unter dem Regierungsviertel entlang gegeben. 

Friedrichshain: Umfangreiche Sanierung des Ostbahnhofs hält bis 2025 an

Am Friedrichshainer Ostbahnhof soll eine Komplettsanierung der beiden gewölbten Hallendächer den fast 100 Jahre alten Bahnhof aufwerten. Die Behandlung der Stahlbögen ist Teil des zweiten Bauabschnittes und erfolgt in drei Etappen. Hinzu kommt der vollständige Austausch der statisch notwendigen Zugbänder zwischen den Bögen.

Zusätzlich werden Holz und Drahtglas durch Blech und betretbares Sicherheitsglas ersetzt. Spezielle Lamellen an den Sockeln der aufgesetzten Gläser begünstigen im Brandfall den Rauchabzug. Und auch ein bislang nicht vorhandener Blitzschutz soll ergänzt werden.

Berlin Ostbahnhof: Fortlaufender Betrieb fordert Bauzeit und Kosten

Da der Verkehrsbetrieb während der Bauarbeiten vollständig weiter läuft, wird das Projekt aufwendiger. Die Kranarbeiten gehen hierdurch langsamer voran. Zusätzlich musste zur Sicherung der Arbeiten eine durchschlagsichere Arbeitsebene eingezogen werden. Diese Maßnahmen erhöhen neben dem zeitlichen und personellen Aufwand natürlich auch die Kosten.

Projektleiter Steffen Dieckmann zeigt sich jedoch zuversichtlich. Das Projekt sei derzeit im Zeit- und Kostenplan von rund 70 Millionen Euro. Bis Ende 2024 werde die Sanierung abgeschlossen sein. Mehrtägige Streckensperrungen sind vorerst nicht geplant. Hinzu kommt noch der dritte Bauabschnitt, der bis 2025 durch die Erneuerung der nordseitigen Anker das Gesamtgebäude stabilisieren soll. 

Treptow-Köpenick: Aufwendige Sanierung des historischen Bahnhofs Schöneweide

Auch der S- und Regionalbahnhof Schöneweide blickt auf mehr als 100 Jahre Bahnbetrieb zurück. Der für den Berliner Südosten seit vielen Jahrzehnten wichtigste Bahnhof wird ebenfalls umfangreich saniert, da sowohl während der DDR-Zeit als auch in den Jahrzehnten nach dem Mauerfall kaum etwas für die Modernisierung des Bahnhofs getan wurde.

Zukünftig sollen Umstiege zu Straßenbahnen und Bussen durch neue Haltestellen, Fußgänger- und Straßenbahntunnel verbessert werden. Etwa 60 Millionen Euro sind für dieses Projekt eingeplant, bislang wurden vorerst die stählernen Dachstützen aufwendig saniert.

Bahnhof Schöneweide: Verzug strapaziert die Geduld der Fahrgäste

Probleme mit der ersten Baufirma für die Erneuerung der Bahnbrücke über den Sterndamm verzögerten das gesamte Projekt jedoch gleich zu Beginn. Anders als beim Ostbahnhof müssen die Fahrgäste seit den Arbeiten große Umwege und Verspätungen in Kauf nehmen.

Für das historische Empfangsgebäude und den Bereich zum eigentlichen Bahnhof existiert überdies noch keine finale Planung, die eine Zeiteinschätzung ermöglichen würde. Die wesentlichen Arbeiten sollen im Sommer 2023 beendet werden.

Hierzu zählen die Verlängerung des Regionalbahnsteiges, die Sanierung von S-Bahnsteigen und Dächern sowie die Fertigstellung des Straßenbahntunnels. In den kommenden Monaten ist noch mit zahlreichen Wochenendsperrungen der S-Bahn-Strecke zu rechnen. 

Reaktivierung der Siemensbahn: Belebung der denkmalgeschützten Strecke

Die ambitionierten Pläne für den Campus „Siemensstadt Square“ haben zur Planung des Wiederaufbaus der historischen Siemensbahn geführt. Für rund 500 Millionen Euro finanziert das Land Berlin das Projekt.

Im Dezember 2029 und damit genau ein Jahrhundert nach der Ersteröffnung der Trasse sollen die ersten Züge die denkmalgeschützte Strecke befahren. Der fast genauso alte, aber noch tragfähige Stahlviadukt zwischen Wernerwerk und Siemensstadt wird hierfür entrostet und im Blauton der 1970er Jahre gestrichen.

Da die Siemensbahn trotz der Stilllegung im Jahre 1980 aus rechtlicher Sicht eine Bahnstrecke geblieben ist, wird ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren überflüssig. Lediglich für den Neubau der Brücke über die Spree sowie für die Erweiterung des Bahnhofs Jungfernheide ist dies notwendig. 

Streckenverlängerung erfordert zusätzliche Zeit und Kosten

Somit steht der Eröffnungstermin im Dezember 2029 bereits seit vier Jahren unverändert fest. In der Zwischenzeit entstandene Entwicklungen erfordern jedoch eine Verlängerung der bisher geplanten Strecke im Bereich Gartenfeld, Wasserstadt-Oberhavel und Hakenfelde.

Allein auf der Insel Gartenfeld sind neue Wohnungen für rund 10.000 Menschen geplant, die einer Anbindung an das Berliner ÖPNV-Netz bedürfen. Eine solche Veränderung der Streckenplanung ist jedoch teuer, da auch ein Tunnel unter der Havel benötigt wird. Hinzu kommt eine geplante Tramstrecke zwischen Spandau und der zukünftigen Urban Tech Republic, die parallel geplant und gebaut werden muss, in diesem Fall allerdings nicht von der Deutschen Bahn

Berlins Bevölkerung wächst, so wachsen auch die Anforderungen an den ÖPNV

Es sind große, infrastrukturelle Projekte, die die Deutsche Bahn derzeit in der Hauptstadtregion umsetzen muss, und alle weisen eine hohe Komplexität auf. Teilweise, weil wichtige Investitionen jahrzehntelang aufgeschoben wurden. Zum Teil aber auch, weil die Metropolregion weiterhin unvermindert wächst und neue, höhere Anforderungen an das öffentliche Verkehrsnetz gestellt werden.

Erst kürzlich verkündete Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, dass die Stadt Berlin in nur wenigen Jahren auf 3,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner anwachsen wird. Das ist nicht nur für den Berliner Wohnungsmarkt eine Herausforderung, sondern auch für das Schienennetz. So wird es in den kommenden Jahren eher mehr als weniger Bahnprojekte in Berlin und Brandenburg geben.

 

Quellen: Deutsche Bahn, ENTWICKLUNGSSTADT BERLIN, Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, B.Z. Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, S-Bahn Berlin, BVG

Weitere Bilder zum Projekt findet Ihr hier: 

Eines der größten Verkehrsnetzte Europas: In Berlin verkehren heute 15 Regionalbahnen, 16 S-Bahn-Linien, 9 U-Bahn-Linien, 12 Fähren und 22 Straßenbahnlinien sowie rund 200 Buslinien.

Hotspot Stadtbahn: Wenn es auf der zentralen, in Ost-West-Richtung verlaufenden Zug- und S-Bahntrasse zu Bauarbeiten kommt, hat das große Auswirkungen auf den öffentlichen Nah- und Fernverkehr der deutschen Hauptstadt.

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