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Hohe Ambitionen: Die Neuerfindung des Stadtraums am Alexanderplatz

Das Gesicht des Berliner Alexanderplatzes wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Zahlreiche Bauprojekte laufen oder sind in Planung. Wir geben einen Überblick darüber, was am und rund um den Alexanderplatz entsteht.

Eines von mehreren Bauprojekten am Platz: Das geplante, 134-Meter hohe Gebäude der Signa-Gruppe am Galeria-Kaufhof-Gebäude.

 

Es sind nicht nur die bekannten Hochhausprojekte, die das städtebauliche Bild rund um den Berliner Alexanderplatz in den kommenden Jahren signifikant verändern werden.

Viele weitere Projekte am „Alex“ und im Umfeld des meistfrequenierten Platzes der Hauptstadt wurden in den letzten Jahren auf den Weg gebracht oder bereits umgesetzt. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Projekte:

Hochhausprojekte am Alexanderplatz

Signa-Hochhaus am Galeria Kaufhof

Bevor Neues aufgebaut werden kann, wird erst einmal Altes abgerissen, und zwar ein Teil des Galeria Kaufhof Gebäudes direkt am  Alexanderplatz. Das bisherige Gebäude wird als zukünftiger Sockel des geplanten Hochhauses dienen, welches das österreichische Immobilienunternehmen Signa an gleicher Stelle plant.

Der vom Architekturbüro Kleihues+Kleihues entworfene, schlanke Hochhausbau wird sich,  zumindest optisch, aus dem Kaufhof-Gebäude heraus erheben und über 33 Etagen in den Himmel wachsen. Insgesamt 134 Meter hoch soll das Gebäude nach seiner Fertigstellung sein.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es hier

Covivio Hochhaus

Das Unternehmen Covivio errichtet direkt neben dem Hochhaus des ParkInn Hotels einen 130 Meter hohen Zwillingsturm nach Plänen des Architekturbüros Sauerbruch & Hutton. Die Baugenehmigung für das Projekt liegt seit März diesen Jahres vor.

Neben Büro- und Einzelhandelsflächen entstehen in dem Gebäude auch Wohnungen, die vornehmlich im zukünftigen Sockelbau untergebracht werden sollen. Knapp 12.000 Quadratmeter werden für Wohnflächen eingeplant.

Mehr Informationen zum Covivio-Projekt findet Ihr hier

Alexander Tower

Auf dem erstaunlich schmalen Grundstück direkt neben dem Haupteingang des “Alexa” entsteht der Bau des „Alexander Tower“, ursprünglich „Monarch Tower“ genannt. 35 oberirdische und vier unterirdische Geschosse sowie 42.000 Quadratmeter Nutzfläche soll das zukünftige Gebäude enthalten. In den ersten drei oberirdischen Etagen sollen Einzelhandels- und Gewerbeflächen entstehen.

Mit einer Höhe von 150 Metern wird das Gebäude mit Abstand das größte Haus am Platz, überragt nur vom benachbarten Fernsehturm (368 Meter hoch). Es wird damit gleichzeitig das höchste Wohnhaus der Hauptstadt. Das Immobilienunternehmen Bewocon verantwortet das Projekt.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es hier

Hines Tower

Während die drei erwähnten Projekte bereits allesamt Baurecht und somit Planungssicherheit haben – und bereits im Bau sind – gibt es um das „Problemkind“, das Hines-Projekt am „Saturn“-Sockelbau, weiterhin Diskussionen.

Eigentlich schien das Projekt, um das es jahrelange Diskussionen aufgrund des schwierigen Baugrunds gab, nun doch auf die Zielgerade einzubiegen. Die BVG fürchtete durch den Bau Schäden am Tunnel der Linie U5, da das geplante, 150 Meter hohe Hochhaus, genau über dem Tunnel errichtet werden sollte.

Aber hier wurde zwischen BVG und Investor ein mühsam erkämpfter Kompromiss gefunden. Das amerikanische Immobilienunternehmen Hines sichert den Verkehrsbetrieben zu, den Tunnel in einem aufwändigen Verfahren für eine Summe von 30 Millionen Euro abzusichern und zu sanieren. Die Kosten dafür sollen zu 100% beim Investor liegen.

Nun könnte man meinen, das Projekt könne starten. Allerdings gab es im Sommer 2021 dann Gegenwind vom Berliner Senat, genauer gesagt vom Berliner Baukollegium unter Führung von Regula Lüscher. Dieses hielt die geplanten 150 Meter Bauhöhe nun für zu hoch und bat Hines, die Höhe des Towers auf 130 Meter zu begrenzen, wie es auch beim Signa- und beim Covivio-Haus vorgenommen wurde. Der Ausgang der Diskussion ist derzeit noch genauso offen wie der Baustart des Projekt.

Weitere Informationen zum Hines-Projekt gibt es hier

Weitere Hochhausprojekte in Planung

Zwei weitere Hochhäuser plant das Unternehmen TLG Immobilien an der Alexanderstraße, also in unmittelbarer Nähe zum Covivio– und zum Signa-Projekt. Zwei Hochhäuser – ebenfalls jeweils 130 Meter hoch – sollen hier entstehen. Flächen für Einzelhandel, Dienstleistungen, Büros und Wohnungen sollen in den Türmen eingerichtet werden. Der Baustart soll nach aktuellem Planungsstand bereits im kommenden Jahr erfolgen.

Insgesamt neun vergleichbar dimensionierte Hochhäuser können nach aktuellem Bebauungsplan am Alexanderplatz errichtet werden. Es ist eine städtebauliche Vision für das östliche Zentrum Berlins, welche bereits wenige Jahre nach der Wiedervereinigung in einem vom Architekten Hans Kollhoff konzipierten Masterplan festgehalten wurde.

Nachdem die Umsetzung dieser Vision für viele Jahre auf sich warten ließ und der besagte Masterplan noch einmal überarbeitet wurde – die vom Senat gewünschte, maximale Höhe der Hochhäuser wurde von 150 auf 130 Meter herabgesetzt, vereinzelte Bestandsgebäude wurden unter Denkmalschutz gestellt – scheint sich das bauliche Umfeld des Alexanderplatzes nun tatsächlich signifikant zu verändern.

Oder anders gesagt: Die Wahrscheinlichkeit, dass aus der himmelwärts gerichteten Vision Kollhoffs tatsächlich Realität wird, war vermutlich noch nie so groß wie jetzt.

Projekte im Umfeld des Alexanderplatzes

Rathausforum

Bereits zu Beginn das Jahres hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, wie wir berichtet haben, festgelegt, dass die Freifläche zwischen Fernsehturm, Rotem Rathaus und Marx-Engels-Forum nicht bebaut, nicht historisch rekonstruiert, sondern als parkähnliche Freifläche geplant wird – inklusive des vor dem Roten Rathaus verbleibenden Neptunbrunnen.

Seit Ende August ist auch klar, wie genau die Freifläche aussehen soll, die ab 2024 baulich umgesetzt werden soll. Durchgesetzt hat sich der Entwurf des in Köln und Bonn ansässigen Büros RMP Stephan Lenzen. In der ersten Phase des Realisierungswettbewerbs hatten insgesamt 53 Büros ihre Arbeiten eingereicht.

Mehr Informationen und weitere Bilder des Projekts gibt es hier

Haus des Berliner Verlags

Der Umbau des 17-geschossigen Hauses der Berliner Verlage am Alexanderplatz, welches kernsaniert und baulich ergänzt wird, steht kurz vor dem Abschluss.

Das 1973 eröffnete Gebäude, das bis 2016 Heimat für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Zeitung sowie des Berliner Kuriers war, wird nach Plänen des Büros GMP Architekten aufwendig modernisiert und um einen verglasten Sockelbau erweitert.

Der markante, denkmalgeschützte Hoch­hausriegel wurde als „Pressehaus am Alex“ zwischen 1970 und 1973 in Stahlskelettbauweise errichtet. Die stilgebenden Fassadenele­mente wurden vorgehängt. Dies soll auch beim restaurierten Gebäude wieder so umgesetzt werden. Ergänzt wird das Gebäude durch einen Neubau, der durch Form und Fassadengestaltung aufzufallen weiß und die Umgebung um das ehemalige Verlagshaus vollkommen neu definiert.

Mehr Informationen zum Projekt und eine ausführliche Bildstrecke gibt es hier

Büroprojekt „Central one Midtown“

Das Unternehmen D.V.I. Services GmbH verantwortet am Berliner Alexanderplatz die Errichtung eines Neubaus an der Karl-Liebknecht-Straße 14, Ecke Gontardstraße. Direkt vor dem Panoramahaus soll ein neues Büro- und Geschäftsgebäude entstehen.

Vorrangig sollen im Gebäude Büros untergebracht werden, im Erdgeschossbereich sollen zudem Flächen für Einzelhandel und Gastronomie entstehen. Zudem sollen Konferenzflächen und eine Lobby realisiert werden. Das Gebäude entsteht nach Plänen des Berliner Büros Faber & Faber Architekten.

Das zukünftige Bürohaus soll nach seiner voraussichtlichen Fertigstellung zum Jahresanfang 2024 über multifunktional nutzbare Büroflächen sowie eine Tiefgarage mit 100 Fahrradstellplätzen, Ladepunkten für E-Bikes und elf PKW-Stellplätzen verfügen.

Weitere Informationen zum Projekt findet Ihr hier

Wiederaufbau des Molkenmarkts

Gegen das, was der Berliner Senat in der Berliner Mitte zwischen Mühlendamm und Grunerstraße plant, ist der Wiederaufbau des Stadtschlosses ein vergleichsweise überschaubares Projekt. Der Wiederaufbau des Molkenmarktes ist eines der ambitioniertesten Berliner Bauprojekte seit dem Mauerfall.

Der Molkenmarkt gehört zum Gründungskern Berlins und liegt mitten im historischen Stadtzentrum der Hauptstadt zwischen Alexanderplatz und Spree. Mit dem Roten Rathaus, dem Alten Stadthaus sowie dem Nikolaiviertel in seiner unmittelbaren Umgebung liegt der Molkenmarkt eingebettet zwischen zahlreichen Denkmälern und bedeutenden historischen Bauten.

Das Gebiet wird bis heute von der raumgreifenden Grunerstraße dominiert. Mit ihren zahlreichen Fahrspuren, großflächigen Kreuzungen und angrenzenden Parkplätzen zerschneidet sie die historische Mitte. Diesen Status Quo wollen die Stadtplaner mit dem Wiederaufbau des Molkenmarktes signifikant verändern – zum besseren.

Hierfür sind umfangreiche Baumaßnahmen infrastruktureller und städtebaulicher Natur notwendig. Für die Umsetzung des Projekts wird ein langer Atem nötig sein. Experten gehen davon aus, dass sich die Umsetzung über einen Zeitraum von rund zwei Jahrzehnten erstrecken wird.

Informationen zum aktuellen Stand des städtebaulichen Wettbewerbs findet Ihr hier

„Grandair“ und „Voltair“ an der Voltairestrasse

Das erste Projekt, welches 13 Jahre nach der Eröffnung des Einkaufszentrums „Alexa“ fertiggestellt wurde, ist das ambitionierte Wohnungsprojekt „Grandair“, welches direkt an die rosafarbene Shopping-Mall gesetzt wurde. 269 Miet-und Eigentumswohnungen sind dabei entstanden. Der höhere der zwei entstandenen Wohntürme ist 65 Meter hoch.

Direkt gegenüber, auf der anderen Seite der Voltairestraße, wächst seit mehreren Jahren das Gewerbeprojekt „VoltAir Berlin“, welches nach aktuellem Planungsstand Mitte kommenden Jahres fertiggestellt werden soll.

Weitere Informationen zu den Projekten gibt es hier

„JAHO“ an der Jannowitzbrücke

An der Kreuzung Holzmarktstraße/Jannowitzbrücke planen die Unternehmen Art-Invest Real Estate und Cesa Group das Gebäudeensemble „JAHO“. Moderne Büroräume, ein Stadtplatz und mehrere, kleine Parkflächen („Pocketparks“) sollen neben einem 70 Meter hohen Büroturm künftig das Stadtbild am S-Bahnhof Jannowitzbrücke prägen.

Neben dem Turm direkt an der Kreuzung planen die Bauherren einen länglichen, etwa 46 Meter hohen Gebäuderiegel zwischen S-Bahnhof und Holzmarktstraße sowie einen Anbau an das denkmalgeschützte Nachbargebäude. Dieser Teil des Projekts wurde vom Architekturbüro Kuehn Malvezzi konzipiert.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es hier

Im östlichen Zentrum Berlins werden derzeit neue, großformatige Bauprojekte umgesetzt, die den aus den 90er Jahren stammenden Masterplan von Hans Kollhoff wohl endlich – zumindest teilweise – in die Nähe einer tatsächlichen Umsetzung bringen werden.

Doch es sind nicht nur die Hochhausprojekte, die den Stadtraum rund um den Alexanderplatz in den kommenden Jahren neu definieren werden, wie die Entscheidung für eine Freiflächengestaltung am Rathausforum oder der historisch orientierte Wiederaufbau des Molkenmarkts zeigen. Wir werden die Entwicklung dieser Projekte auch weiterhin mit großem Interesse verfolgen.

Wie der Berliner Alexanderplatz in den „Roaring 20s“ aussah und was er mit den Menschen machte, die sich auf und neben ihm bewegten, hat Alfred Döblin in seinem legendären Roman „Berlin Alexanderplatz“ beschrieben.

Weitere Projekte in Mitte findet Ihr hier
„Staab Architekten“ gestalten Erweiterung des Finanzministeriums
An der Jannowitzbrücke entsteht das Geschäftsquartier „JAHO“
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2 Kommentare

  1. Rainer Wendt Dezember 10, 2021

    Die Menschen werden die zum sinnlosen und verführenden Kaufen animierenden Geschäfte nicht nutzen. Siehe Friedrichstraße. Sie sind gewöhnt sich alles liefern zu lassen. Sie werden auch gezwungen sein mehr und mehr grüne und grün hergestellte Waren zu kaufen. Langlebiges, Wiederverwendbares, Zuckerbefreites, Wer braucht bei Homeoffice und wiederkehrenden Pandemie noch Büroklötzer. Kohlhoff und Co. und alle architektonischen Langweiler über 50 sollten ihren Ruhestand genießen, bevor der Senat gezwungen ist, die vielen Obdachlosen aus Osteuropa in diesen Gebäuden unterzubringen. Schön dass hier Baukapazität konzentriert ist. Die fehlt dann eben beim Wohnungsbau für Normalverdiener und Einwanderer. Bei diesen langen Genehmigungszeiten hat sich die Lebenswirklichkeit geändert.

  2. Marie-Luise Dezember 14, 2021

    Eine Stadt, die aus Marktplatz, Kirche und Rathaus besteht und in der Fremde und Einheimische sich neugierig treffen, entsteht offenbar am Alex nicht. Wer soll sich überhaupt da tummeln? Läden gibt es nicht mehr. Balkone auch nicht. Am besten man geht in ein Döner in der unteren Etage. Treffpunkte sind nicht vorgesehen. Berlin sieht aus wie Singapur oder Detroit . Es lebe die globale Gleichheit.

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